6. Überprüfung und Überwachung

Die Überprüfung und Begutachtung im Rahmen der Eigenkontrolle gemäß TWV ist von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES), den Untersuchungsanstalten der Länder gemäß § 72 LMSVG oder von einer gemäß § 73 LMSVG hiezu berechtigten Person durchführen zu lassen. Die Überwachung der Einhaltung der TWV wird durch die zuständige Behörde in den Bundesländern (Landeshauptmann/Landeshauptfrau) vorgenommen, die im Zuge dieser Tätigkeit auch Revisionen und Probenziehungen durchführen kann.

Die Überprüfung und Begutachtung des Trinkwassers bzw. der Wasserversorgungsanlagen beschränkt sich nicht nur auf die Untersuchung von Wasserproben, sondern umfasst auch die Beurteilung der Anlage aus hygienischer Sicht. Zur Überprüfung gehören:

  1. Lokalaugenschein (Inspektion)
  2. Probenahme
  3. Wasseruntersuchung

Eine Überprüfung der Wasserversorgungsanlage im Sinne dieses Kapitels ist zumindest einmal jährlich vorzunehmen.

Bei der Inspektion (Lokalaugenschein), die zumindest einmal jährlich durchgeführt werden muss, bzw. bei der Probenahme wird Folgendes festgestellt:

  1. ob der bauliche und technische Zustand der Wassergewinnungs- und Wasserförderungsanlage jede Verunreinigung des Wassers in ihrem Bereich verhindert
  2. ob durch den Betrieb vorhandener Anlagen zur Wasseraufbereitung/Desinfektion die erforderliche Wasserqualität erreicht oder beeinträchtigt wird
  3. ob die Anlagen für Transport und Speicherung des Wassers in einem solchen baulichen und technischen Zustand sind, dass jede Beeinträchtigung der Wasserqualität verhindert wird
  4. die Wetterverhältnisse vor und bei der Probenahme
  5. die Temperaturen von Wasser und Luft bei der Probenahme
  6.  Aussehen (Trübung, Farbe, Bodensatz) und Geruch durch grobsinnliche Prüfung bei der Probenahme

Die Wasseruntersuchung gliedert sich in

  1. mikrobiologische (bakteriologische) Untersuchungen
  2. physikalische und chemische Untersuchungen
  3. mikroskopische Untersuchungen
  4. Bestimmung der Radioaktivität

Der Untersuchungsumfang wird gemäß TWV, Anhang II, Teil A, eingeteilt in:

  1. Routinemäßige Kontrollen (im Wesentlichen bakteriologische Untersuchungen, Messungen vor Ort )
  2. Umfassende Kontrollen (Volluntersuchung) Alle Parameter des Anhangs I der TWV, zusätzlich jene Parameter, die die Berechnung der Ionenbilanz ermöglichen bzw. notwendige Messungen zur Über-prüfung der Desinfektion.
  3. Kontrollen für kleine Wasserversorgungsanlagen (Mindestuntersuchung) Unter kleinen Wasserversorgungsanlagen versteht man solche mit einer Abgabe von ≤ 100 m³ Wasser pro Tag bzw. Versorgung von ≤ 500 Personen. Bakteriologische Untersuchungen, physikalisch chemische Untersuchungen einschließlich jener Parameter, die die Berechnung der Ionenbilanz ermöglichen, bzw. notwendige Messungen zur Überprüfung der Desinfektion.

Die zuständige Behörde kann für einen von ihr festzulegenden Zeitraum feststellen, dass das Vorhandensein eines Parameters gemäß Anhang I der TWV in einer bestimmten Wasserversorgung nicht in Konzentrationen zu erwarten ist, die die Einhaltung des entsprechenden Parameters gefährden könnte. Dementsprechend kann der Untersuchungsumfang auf Antrag reduziert werden.

Der Untersuchungsumfang, wie er für kleine Wasserversorgungsanlagen festgelegt ist (Mindestuntersuchung), darf jedoch nicht unterschritten werden.

Die Probenahmestellen, der Untersuchungsumfang, die Untersuchungshäufigkeit und die zeitliche Verteilung der Probenahme sind so zu wählen, dass eine Beurteilung der Anlage und der Wasserbeschaffenheit gewährleistet ist.

Bei Vorhandensein von Aufbereitungs- und Desinfektionsverfahren können eine über die Mindestfrequenz hinausgehende Überprüfung und verfahrensspezifische Untersuchungen erforderlich sein (Abschnitte 4 und 5 dieses Kapitels).

Probenahme, Probenkonservierung, -transport und -untersuchung müssen so durchgeführt werden, dass die Ergebnisse der mikrobiologischen (bakteriologischen), chemischen, physikalischen und mikroskopischen Untersuchungen sowie der Radioaktivitätsbestimmung den Zustand des Wassers bei der Probenahme wiedergeben.

Die Notwendigkeit einer Wasseraufbereitung in hygienischer und technischer Hinsicht ist zu prüfen. Wird ein Wasseraufbereitungsverfahren eingesetzt, ist dessen Zweckmäßigkeit sowie dessen ordnungsgemäße Funktion gemäß Abschnitt 4 bzw. 5 dieses Kapitels zu überprüfen.

Werden Oberflächenwässer zu Trinkwasser aufbereitet, kann eine mikroskopische Überprüfung von Roh- und Reinwasser zweckmäßig sein, um das Vorhandensein von Algen oder anderen Mikroorganismen, die möglicherweise toxisch wirken oder Geruchs- oder Geschmacksstoffe abgeben können, zu überprüfen. Eine mikroskopische Untersuchung kann auch bei sensorisch erkennbaren Veränderungen des Wassers (Färbung, Trübung, Geruch) mit Verdacht auf biologische Ursachen zweckmäßig sein (siehe Anhang 5).

Die Mindesthäufigkeit und der Mindestumfang der Untersuchungen für die nach dem LMSVG zu prüfenden Wasserversorgungsanlagen sind den Anhängen 1 und 2 dieses Kapitels zu entnehmen.

Die angegebenen Untersuchungshäufigkeiten gelten für Trinkwasser, das aus einem Verteilungsnetz stammt.

Durch die Untersuchung von Wasserproben aus dem Verteilungsnetz kann die nach § 7 Z 4 TWV geforderte Überwachung des Gesamtsystems nicht erfüllt werden. Daher sind darüber hinausgehende Probenahmestellen in Abhängigkeit der örtlichen Erfordernisse zu berücksichtigen. Die Beprobungen sind gleichmäßig über das Jahr zu verteilen (Anhang 2 dieses Kapitels).

Die erforderliche Probenanzahl ist bei Vorliegen mehrerer Wasserspender bzw. mehrerer Objekte der Wasserversorgungsanlage (z.B. Behälter, Versorgungsnetze) entsprechend zu erhöhen. Aufgrund eines Systemplanes der Wasserversorgungsanlage sind die zusätzlichen Probenahmestellen im Sinne einer Stufenkontrolle (Qualitätssicherungssystem) auszuwählen.

Eine Stufenkontrolle umfasst die Kontrolle des gesamten Systems durch Untersuchung des Wassers vom Wasserspender, Aufbereitungsanlagen, Behälter und des Wassers im Verteilungsnetz bis zum Endstrang und ist zumindest einmal jährlich vorzunehmen. Nach Möglichkeit sind Entnahmestellen in öffentlichen Gebäuden mit einzubeziehen.

Bei Wasserversorgungsanlagen in Fremdenverkehrsgemeinden und -regionen ist die Anzahl der Nächtigungen pro Jahr anteilsmäßig der versorgten Bevölkerung bzw. dem durchschnittlichen Wasserverbrauch hinzuzurechnen (Summe der Anzahl Personen mit permanentem Wohnsitz, jener mit Zweitwohnsitzen und die Zahl der Nächtigungen geteilt durch 365). Bei saisonal bedingtem, stark schwankendem Wasserverbrauch sind die Zeitpunkte der Probenahme nach hygienischen Gesichtspunkten auszuwählen.

Bei Neuerschließung von Wasservorkommen ist unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten, zumindest jedoch bei Anlagen, die mehr als 10 m³/Tag abgeben, jedenfalls eine Umfassende Kontrolle (Volluntersuchung) durchzuführen.

Bei allen Wasseraufbereitungsmaßnahmen, bei denen die Gefahr einer Verkeimung der Wasseraufbereitungsanlagen (z.B. Ionenaustauscher, Filter, Membranverfahren, Phosphatzusatz), und dadurch des aufbereiteten Wassers besteht, sind bakteriologische Untersuchungen häufiger durchzuführen.

Bei sachlich begründetem Verdacht einer Kontamination des Wassers sind erforderliche Untersuchungen sofort einzuleiten und nötigenfalls in kürzeren Abständen zu wiederholen.

Bei Verwendung von Chemikalien zur Aufbereitung ist auch deren Gehalt im aufbereiteten Wasser zu kontrollieren.

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