8.3 mögliche Beanstandungen

Mögliche Beanstandungen:

  • Nicht sicher – gesundheitsschädlich, den Anforderungen des § 3 Abs. 1 Z. 1 der TWV nicht entsprechend
  • Nicht sicher - für den menschlichen Verzehr ungeeignet, den Anforderungen des § 3 Abs. 1 Z. 2 1. Satz der TWV nicht entsprechend
  • Beanstandungen aufgrund von Indikatorparameterwerten und der Radioaktivität Beanstandungen aufgrund des Lokalaugenscheins Beanstandungen aufgrund von zusätzlichen Kriterien, die wegen eines fachlich begründeten Verdachtes untersucht werden

Werden Mikroorganismen, Parasiten und Stoffen jedweder Art in einer Anzahl oder Konzentration festgestellt, die eine potentielle Gefährdung der menschlichen Gesundheit darstellen (§ 3 Abs. 1 Z 1 TWV), ist das Wasser, sofern ein Inverkehrbringen gemäß LMSVG vorliegt, nach risikobasierter, gutachterlicher Bewertung als "gesundheitsschädlich" im Sinne des § 5 Abs. 5 Z 1 LMSVG und somit als "nicht sicher" gemäß Art. 14 der VO (EG) Nr. 178/2002 zu beurteilen.

Dies ist bei chemischen Parametern der Fall, wenn eine Risikobewertung (z.B. durch Vergleich der Expositionsabschätzung für Kinder mit toxikologischen Kennzahlen, wie TDI /ADI/ PTWI Werten) ergibt, dass nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit wahrscheinlich sind.

Darüber hinaus kann im Gutachten zusätzlich auch die Wortfolge "zur Verwendung als Trinkwasser nicht geeignet" angeführt werden.

In diesem Fall ist der Betreiber der Wasserversorgungsanlage auf die Verpflichtungen gemäß § 5 Z 5 TWV hinzuweisen.

Auch wenn kein Inverkehrbringen gemäß LMSVG vorliegt, ist gegebenenfalls im Gutachten anzuführen, dass das Wasser, z.B. in der vorliegenden Beschaffenheit bzw. ohne nachgeschaltete Aufbereitungsschritte, zur Verwendung als Trinkwasser nicht geeignet ist.

Werden die in Anhang I Teile A und B der TWV festgelegten Mindestanforderungen, auch nach allfälligen Kontrolluntersuchungen, nicht eingehalten, ist das Wasser, sofern ein Inverkehrbringen gemäß LMSVG vorliegt, als für den menschlichen Verzehr ungeeignet im Sinne des § 5 Abs. 5 Z 2 LMSVG und somit als nicht sicher gemäß Art. 14 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 zu beurteilen.

In diesem Fall ist der Betreiber der Wasserversorgungsanlage auf die Verpflichtungen gemäß § 5 Z 5 TWV hinzuweisen.

Geeignete Maßnahmen zur Behebung der Mängel sind vom Gutachter vorzuschlagen.

Auch wenn kein Inverkehrbringen gemäß LMSVG vorliegt, ist gegebenenfalls im Gutachten anzuführen, dass das Wasser, z.B. in der vorliegenden Beschaffenheit bzw. ohne nachgeschaltete Aufbereitungsschritte, zur Verwendung als Trinkwasser nicht geeignet ist.

Anmerkung: Bei Nichteinhaltung der in Anhang I Teile A und B der TWV festgelegten Mindestanforderungen kann im konkreten Einzelfall auch Gesundheitsschädlichkeit vorliegen.

Werden Indikatorparameterwerte gemäß Anhang I Teil C der TWV nicht eingehalten, ist im Gutachten auf die jeweilige(n) Abweichung(en) und gegebenenfalls auf die sich daraus ergebenden Konsequenzen bzw. Maßnahmen hinzuweisen.

Die Ursache ist zu prüfen und festzustellen, ob bzw. welche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung einer einwandfreien Qualität des abgegebenen Wassers erforderlich sind.

Wird festgestellt, dass die Abweichung(en) tolerierbar ist (sind) und keine Maßnahmen erforderlich sind, so ist im Gutachten festzuhalten, dass das Wasser den geltenden lebensmittelrechtlichen Vorschriften entspricht. Darüber hinaus kann im Gutachten auch zusätzlich die Wortfolge "zur Verwendung als Trinkwasser geeignet" angeführt werden.

Sind Maßnahmen erforderlich, so ist im Gutachten zusätzlich sinngemäß anzufügen: "Zur Aufrechterhaltung der Eignung des Wassers als Trinkwasser sind Maßnahmen erforderlich."

Geeignete Maßnahmen zur Behebung der Mängel erforderlichenfalls unter Angabe angemessener Fristen sind vom Gutachter vorzuschlagen. Auf eventuell erforderliche Nutzungsbeschränkungen und notwendige Kontrollen ist hinzuweisen.

Bei erheblichen Abweichungen von Indikatorparameterwerten ist darüber hinaus zu prüfen, ob eine Beurteilung gemäß 8.3.1 oder 8.3.2 erforderlich ist.

Radioaktivität Die Radioaktivität ist durch die Indikatorparameter Tritium und Gesamtrichtdosis mit den Werten von 100 Bq/l bzw. 0,10 mSv/Jahr geregelt. Die Gesamtrichtdosis gilt für die Summe der Dosisbeiträge aller künstlichen und natürlichen Radionuklide mit Aus-nahme von Tritium, Kalium-40, Radon und Radon-Zerfallsprodukten. Die Ermittlung der Gesamtdosis kann nach ÖNORM S 5251 "Bestimmung und Bewertung der Gesamtdosis durch Radionuklide im Trinkwasser" erfolgen.

Bei einer Überschreitung der Indikatorparameterwerte ist deren Ursache zu prüfen. Bei einer 10-fachen Überschreitung der festgelegten Indikatorparameterwerte (d.h. 1000 Bq/l bzw. 1 mSv/Jahr) sind geeignete Abhilfemaßnahmen sowie eine angemessene Frist für deren Umsetzung zu empfehlen. Als geeignete Maßnahmen sind in erster Linie der Verzicht auf die Verwendung des Wassers oder das Mischen des Wassers mit unbelastetem Wasser anzusehen. Eine Aufbereitung, die mit einer Aufkonzentrierung von Radioaktivität (z.B. in Filtern, Schlämmen) verbunden ist, sollte aufgrund des anfallenden radioaktiven Abfalls, der mit einer aufwändigen Entsorgung verbunden sein kann, nur in Ausnahmefällen empfohlen werden.

Radon und Radon-Zerfallsprodukte sind in die Gesamtrichtdosis nicht einbezogen. Bei Radonwerten von über 1000 Bq/l sowie bei Werten von über 1 Bq/l für Polonium-210 bzw. über 2 Bq/l für Blei-210 sind geeignete Abhilfemaßnahmen im obigen Sinn sowie eine angemessene Frist für deren Umsetzung zu empfehlen.

Werden beim Lokalaugenschein der Wasserversorgungsanlage Mängel festgestellt, die auf fehlende bzw. unzureichende Vorsorge gegen hygienisch nachteilige Einwirkungen schließen lassen, sind diese im Gutachten anzuführen. Solche Beobachtungen können die Errichtung, die Instandhaltung und den Betrieb der Wasserversorgungsanlage betreffen (siehe § 5 Z 1 TWV).

Wenn bei der Desinfektion von Wasser die Bedingungen des Abschnitts 4 dieses Kapitels nicht erfüllt sind, ist dies im Gutachten anzuführen. Dies gilt auch, wenn einwandfreie Untersuchungsergebnisse der Wasserproben vorliegen.

Werden geringfügige Mängel festgestellt, ist im Gutachten zusätzlich sinngemäß anzufügen: "Zur Aufrechterhaltung der Eignung des Wassers als Trinkwasser sind Maßnahmen erforderlich."

Geeignete Maßnahmen zur Behebung der Mängel erforderlichenfalls unter Angabe angemessener Fristen sind vom Gutachter vorzuschlagen. Auf eventuell erforderliche Nutzungsbeschränkungen und notwendige Kontrollen ist hinzuweisen.

Werden gravierende Mängel festgestellt, ist zu prüfen, ob eine Beurteilung gemäß 8.3.2 erforderlich ist.

Beanstandungen aufgrund von zusätzlichen Kriterien, die wegen eines fachlich begründeten Verdachtes untersucht werden

Diese zusätzlichen Kriterien umfassen z.B.

  • die in Anhang 3 angeführten Parameter
  • die in Anhang 5 angeführten mikroskopischen Untersuchungen
  • andere Parameter, die nicht in der TWV oder in diesem Kapitel aufgelistet sind
  • Parameter, die im Rahmen der Analytik (z. B. unter den Untersuchungsergebnissen bei Multimethoden) auffällig werden

Werden geringfügige Mängel festgestellt, ist im Gutachten zusätzlich sinngemäß anzufügen "Zur Aufrechterhaltung der Eignung des Wassers als Trinkwasser sind Maßnahmen erforderlich."

Geeignete Maßnahmen zur Behebung der Mängel erforderlichenfalls unter Angabe angemessener Fristen sind vom Gutachter vorzuschlagen. Auf eventuell erforderliche Nutzungsbeschränkungen und notwendige Kontrollen ist hinzuweisen.

Werden gravierende Mängel festgestellt, ist zu prüfen, ob eine Beurteilung gemäß 8.3.1. oder 8.3.2 erforderlich ist.

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