4. Spirituosen nach besonderen oder traditionellen Verfahren

Unterkategorien

Unter Spirituosen nach besonderen/traditionellen Verfahren werden im Sinne des vorliegenden Abschnitts Erzeugnisse verstanden, die nach traditionellen Verfahren hergestellt werden, seit Jahren am Markt vertreten sind und nicht unter Abs. 3, „Spirituosen aus Obst“, fallen. Dazu zählen insbesondere Erzeugnisse, die aus schwer vergärbaren oder auch zuckerarmen Rohstoffen (Maischen) durch Destillation vergorener Maische mit oder ohne Zusatz von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs oder durch Destillation eines alkoholischen Ansatzes unvergorener Rohstoffe gewonnen werden.153

 


153 Weitere, typische Vertreter wie etwa Gin (Kategorie 20), Kümmel (Kategorie 23), Akvavit (Kategorie 24), Anis (Kategorie 28) oder auch Wodka (Kategorie 15), sind in Anhang I der Verordnung (EU) 2019/787 umfassend geregelt und werden im vorliegenden Kapitel nicht weiter behandelt.

Die grundlegende Begriffsbestimmung für die Kategorie Geist (ergänzt durch den Namen der verwendeten Frucht oder der verwendeten Ausgangsstoffe), einschließlich chemisch-analytischer Anforderungen, sind in Anhang I Ziffer 17 der Verordnung (EU) 2019/787 festgelegt.

Geiste lassen den charakteristischen Geruch und Geschmack des ergänzend genannten Rohstoffs zumindest in angemessener Stärke erkennen.

Die für Geist verwendeten aromagebenden Rohstoffe, werden ausschließlich unvergoren eingesetzt. Ihr charakteristisches gemeinsames Merkmal ist, dass sie bei Vergärung eine nur geringe Alkoholausbeute ergeben oder dass ihr Aroma im Zuge des Einmaischens und Vergärens nachteilig beeinträchtigt würde.

Nur die in Anhangs I Nummer 16 abschließend aufgezählten Früchte und Beeren und zusätzlich die in Anhang I Nummer 17 genannten aromagebenden Rohstoffe (Gemüse, Nüsse, andere geeignete pflanzliche Stoffe wie Kräuter oder Rosenblätter oder neu Pilze) werden verwendet.

Nicht verwendet werden insbesondere zuckerreiche Stein- oder Kernobstarten wie Marillen oder Äpfel. Ebenfalls untersagt ist der Einsatz von nicht zugelassenen neuartigen Lebensmitteln, z. B. Edelweiß.154

 


154 Edelweiß, als geschützte Wildpflanze, wurde vor dem 15. Mai 1997 in der Union mit Sicherheit nicht in nennenswertem Umfang für den menschlichen Verzehr verwendet, Züchtungen gelangen erst nach dem 15.05.1997; bislang kein Antrag auf Zulassung als neuartiges Lebensmittel; gem. Art. 6 Abs. 2 Novel-Food Verordnung (EU) 2015/2283) dürfen nur zugelassene und in der Unionsliste aufgeführte neuartige Lebensmittel […] in und auf Lebensmitteln verwendet werden.

Geiste werden sowohl im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008, Anhang II, Teil E, Verwendungsbedingungen für die Lebensmittelkategorie 14.2.6, Spirituosen, als auch (neu) nach Verordnung (EU) 2019/787, ausdrücklich nicht gefärbt (Anhang I Nummer 17 lit. d).

Erzeugnisse des Abs. 4 werden üblicherweise unter Voranstellen der Bezeichnung der verwendeten Frucht bzw. des aromagebenden Rohstoffes vor das Wort „-geist“, z. B. als „Himbeergeist“, „Erdbeergeist“, Zirbengeist usw., bezeichnet.

Sofern die Verbraucher nicht irregeführt werden, darf der Begriff „-geist“ in Kombination mit anderen Begriffen als einem Rohstoff, die verkehrsübliche oder beschreibende Bezeichnung alkoholischer Getränke und auch die rechtlich vorgeschriebene Bezeichnung anderer Spirituosen, ergänzen. Angabe wie „Schlossgeist“ werden damit im Sinne von Anhang I Nummer 17 lit. f grundsätzlich (wieder) möglich.

Die grundlegenden Begriffsbestimmungen für die Kategorie 19 „Spirituose mit Wacholder“ sowie „Wacholder“, einschließlich deren Mindestalkoholgehalt, sind in Anhang I der Verordnung (EU) 2019/787 festgelegt.

Wacholder ist eine Spirituose, die aus Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs und/oder Getreidebrand und/oder Getreidedestillat unter Hinzufügen von Wacholderdestillat, Wacholderdestillationsprodukt, Wacholderlutter oder Wacholderfeinbrand hergestellt wird.

Wacholderlutter ist ein Halbfabrikat, das nicht für den direkten Genuss bestimmt ist. Zur Herstellung werden gemahlene Wacholderbeeren unter Zusatz von Trinkwasser vergoren. Aus dieser Maische wird in einer ersten Destillation (Abtrieb) der Wacholderlutter als Raubrand gewonnen. Der so gewonnene Lutter kann vor einer allfälligen Feinbranddestillation mit gebrannter Magnesia behandelt und über ein geeignetes Filtermittel blank filtriert werden.

Ein Wacholderdestillationsprodukt wird durch Destillation von Wacholderbeeren mit verdünntem Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs oder aus Wacholdermaische, der vor der Destillation Ethylalkohol zugesetzt wurde, gewonnen. Aromatisieren mit Aromastoffen und/oder Aromaextrakten ist handelsüblich.

Als Qualitätsprodukt weist „Österreichischer Wacholder“, gegenüber „Wacholder“ bzw. der „Spirituose mit Wacholder“, einen höheren Mindestalkoholgehalt auf.

Alkoholgehalt mindestens 37,5 % vol

Bei „Wacholder“ sind Abbildungen von Teilen des Wacholderstrauches handelsüblich.

„Kranawitter“ kann als Zusatzbezeichnung zur Bezeichnung „Wacholder“ oder „Österreichischer Wacholder“ verwendet werden.

Die grundlegenden Begriffsbestimmungen für die Kategorie 18 „Enzian“ einschließlich Mindestalkoholgehalt sind in Anhang I der Verordnung (EU) 2019/787 festgelegt.

Enzian ist die aus einem Enziandestillat hergestellte Spirituose, die durch Gärung von Enzianwurzeln mit oder ohne Zusatz von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs gewonnen wird.

Kommt anstelle von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs ein Destillat landwirtschaftlichen Ursprungs oder Obstbrand mit zum Einsatz, oder werden Enzianwurzeln bloß mazeriert, nicht aber vergoren, handelt es sich nicht mehr um „Enzian“ (siehe Abs. 1.3.5.1 und Abs. 2.4.4.1).

Die Abbildung von blauen Enzianblüten ist seit jeher handelsüblich.

Methanol höchstens 1 500 mg/100 ml r. A.

Mit der Zusatzbezeichnung „Nußschnaps“, „Nussschnaps“ werden nach den verschiedensten Rezepturen hergestellte Spirituosen bezeichnet, deren charakteristischer Geschmack aus der Verwendung von grünen Nüssen (Walnüssen) stammt.

Die rechtlich vorgeschriebene Bezeichnung lautet „Spirituose“. Auf die Verwendung von Walnüssen wird mit dem Wortlaut „enthält Walnüsse“ hingewiesen (LMIV, Art. 21 Abs. 1).

Die Abbildung von (grünen) Walnüssen ist handelsüblich.

Alkoholgehalt mindestens 15 % vol
Zucker, ausgedrückt als Invertzucker unter 100 g/l (auf Ware berechnet)

Mit der Zusatzbezeichnung „Zirbenschnaps“ werden Spirituosen bezeichnet, deren charakteristischer Geschmack aus der Verwendung von frischen Zirbenzapfen stammt.

Die Abbildung von Zapfen und Pflanzenteilen der Zirbe sind handelsüblich.

Alkoholgehalt mindestens 15 % vol
Zucker, ausgedrückt als Invertzucker unter 100 g/l (auf Ware berechnet)
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