7. Geographische Angaben von überregionaler Bedeutung (in Anhang III der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 eingetragene Angaben)

Unterkategorien

Originalfassungen der bei der Kommission eingereichten Technischen Unterlagen in der mit Bekanntmachung166 2019/C 115/11 anerkannten und aktuell gültigen Version sind auf der Online-Plattform https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/Lebensmittel/herkunft/herkunft.html öffentlich zugänglich.

In den nachfolgenden Unterabschnitten niedergelegte (Produkt)Spezifikationen entsprechen inhaltlich den anerkannten Technischen Unterlagen und umfassen insbesondere die für die Anwendung der jeweiligen Technischen Unterlage in Österreich unverzichtbaren Spezifikationen. In den Einreichunterlagen167 unter „EU- oder nationale/regionale Rechtsvorschriften“ als Hintergrundinformation angeführte spirituosenspezifische bzw. horizontale Regelungen sind den Originalfassungen zu entnehmen.

(Produkt)Spezifikationen für grenzüberschreitende geografischen Angaben wie Korn/Kornbrand, eingetragen für Deutschland, Österreich und die deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens (Antragsprache Deutsch) und Pálinka, eingetragen für Ungarn und Österreich (Antragsprache Ungarisch), sind inhaltlich eingeschränkt auf den für Österreich relevanten Anwendungsbereich der entsprechenden Technischen Unterlage wiedergegeben.
Verweise in den Technischen Unterlagen auf Abschnitte in Kapitel B 23, beziehen sich auf die zum Zeitpunkt ihrer Einreichung geltende Fassung des Österreichischen Lebensmittelbuches, IV. Auflage, Kapitel B 23, zuletzt geändert/ergänzt 16.12.2019.

 


166Bekanntmachung zur Bewertung der technischen Unterlagen etablierter geografischer Angaben für Spirituosen (2019/C 115/11), ABl. C 115 vom 27.3.2019, S. 36

167gemäß Formvorlage für technische Unterlagen in Anhang II der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 716/2013 vom 25. Juli 2013 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 110/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates zur Begriffsbestimmung, Bezeichnung, Aufmachung und Etikettierung von Spirituosen sowie zum Schutz geografischer Angaben für Spirituosen (ABl. L 201 vom 26.7.2013, S. 21)

Pálinka

Obstbrand, Kategorie 9 des Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 110/2008

  •  Physikalische, chemische Eigenschaften

    Die physikalischen und chemischen Eigenschaften entsprechen den einschlägigen Anforderungen der Verordnung EG/110/2008 Anhang II. Kategorie Nr. 9.

    Pálinka aus Österreich weist zudem folgende spezifischen Eigenschaften auf:

    Alkoholgehalt mindestens 38 % vol
    Gesamt-Trockenextrakt höchstens 5 g/l - davon höchstens 4 Zucker (berechnet als Invertzucker) je Liter Fertigerzeugnis
    Ethylcarbamat nicht höher als 1 mg/l Erzeugnis
    Flüchtige Bestandteile mindestens 400 g/hl r.A.
    Ethylacetat höchstens 350 g/hl r.A.
    Höhere Alkohole (iC4 + iC5)* mindestens 100 g/hl r.A.
    Fuselalkohole (nC3 + iC4 + iC5)* mindestens 150 g/hl r.A.
    maximal 1 000 g/hl r.A.

* nC3 = 1-Propanol; iC4 = 2-Methyl-1-propanol (iso-Butanol); iC5 = Summe von 2-Methyl-1-butanol und 3-Methyl-1-butanol (iso Amylalkohole)

  • Organoleptische Eigenschaften
    Pálinka aus Österreich ist ein klarer, farbloser Marillenbrand, mit dem charakteristisch blumigen Geruch und dem vollfruchtigen Geschmack reifer Marillen und einem dezenten, niemals dominanten Steinton.
  • Besonderer Merkmale (im Vergleich zu anderen Spirituosen derselben Kategorie)
    Österreichischer Pálinka wird ausschließlich aus Marillen (Prunus Armeniaca L.), die aus den östlichen Österreichischen Bundesländer sowie aus Ungarn stammen, hergestellt und weist gegenüber herkömmlichem Marillenbrand einen etwas höheren Mindestalkoholgehalt auf.

 

„Pálinka“ aus Österreich wird ausschließlich in den Bundesländern Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Wien hergestellt.

„Pálinka“ aus Österreich wird ausschließlich aus reifen qualitativ hochwertigen Marillen durch alkoholische Gärung und Destillation hergestellt.

Die Marillen werden in der Regel vor dem Einmaischen entsteint, um eine im Allgemeinen nur dezent wahrnehmbare Kernnote zu erzielen.

Werden die Früchte nicht entsteint, erfolgt das Quetschen so behutsam, dass eine Beschädigung der Steine weitestgehend vermieden wird. Fermentierte Maischen nicht entsteinter Marillen werden bis zur Destillation nur kurzfristig gelagert, abgelagerte Steine nicht in die Destillationsanlage gepumpt.

Die Destillation erfolgt in einfachen Brenngeräten oder in Brenngeräten mit Verstärker. Kontinuierliche Destillation ist mit der traditionellen Herstellung unvereinbar und wird nicht eingesetzt.

Entsprechend den Traditionen wird österreichischer Pálinka nur in Destillerien, die in den Bundesländern Niederösterreich, Burgenland, Steiermark oder Wien ihren Sitz haben, erzeugt.

Das zum Herabsetzen auf Trinkstärke verwendete Trinkwasser stammt, sofern es eine Härte von nicht mehr als 8,4 °dH aufweist, üblicherweise aus dem genannten geografischen Gebiet im Osten Österreichs. Steht solches Trinkwasser lokal nicht zur Verfügung, kann entionisiertes oder anders enthärtetes Trinkwasser, auch von außerhalb dieser östlichen Bundesländer Österreichs, verwendet werden. Durch die Verwendung von Trinkwasser mit einem geringen Mineralstoffgehalt bzw. enthärtetem Trinkwasser sollen Trübungen im Endprodukt weitestgehend hintangehalten und eine abschließende Filtration in der Regel entbehrlich sein.

 

  •  Angaben zu dem geografischen Gebiet, die für den Zusammenhang von Bedeutung sind
    Österreich war in der Monarchie mit Ungarn über Jahrhunderte politisch verbunden. Der gemeinsame Lebens- und Wirtschaftsraum führte zu vielen gemeinsamen Entwicklungen. Kulturelle und gastronomische Traditionen sind auch in den, nach dem ersten Weltkrieg streng getrennten Länder weiterhin aufrecht geblieben. Die hochrangige Anbaukultur, Bodenbeschaffenheiten und die im Wesentlichen von einem pannonischen Klima und den Tiefebenen geprägten Witterungsbedingungen sorgten sowohl in Ungarn als auch im Osten Österreichs dafür, dass die hier geernteten Früchte immer schon von ausgezeichneter Qualität waren und sich besonders gut eignen, um hervorragende Obstbrände herzustellen. Die Möglichkeiten, die diese Obstqualität zur Herstellung von Obstbränden bieten, wurden auch von beiden Ländern schon früh erkannt und seit langem genutzt. Speziell der Anbau von Marillen mit einer viele Jahrhunderte alten Tradition, gerade in den östlichen Bundesländern Österreichs und in Ungarn, bildete den Grundstein für einen qualitativ außerordentlich hochwertigen Rohstoff.

    Vor diesem Hintergrund verwundert es auch nicht, dass in diesen klassischen Anbauregionen der Marille, insbesondere der Marillenbrand von jeher großen Anklang fand und sich bis heute seiner hohen Beliebtheit erfreut.
  • Bestimmte Eigenschaften der Spirituose, die dem geografischen Gebiet zuzuschreiben sind
    Geprägt von dem im Wesentlichen pannonischen Klima in den Anbauregionen, tragen die Früchte mit ihrer hohen Qualität maßgeblich zu den spezifischen Geschmacks-, Aroma- und Inhaltsstoffen des Brandes bei.
    In Anerkennung der von dem geografischen Gebiet geprägten Qualität wurde die Bezeichnung „Pálinka“ mit Beitritt der Republik Ungarn zur EU - Akte über die Bedingungen des Beitritts, Abl. L 236 vom 23.9.2003, S. 33 - als eine, unter bestimmten Bedingungen auch Österreich vorbehaltene Bezeichnung in die Verordnung (EWG) Nr. 1576/89 aufgenommen. 168

    Vom hohen Ansehen, das der Pálinka nicht nur in Europa genießt, zeugen unter anderem Prämierungsveranstaltungen, in Österreich z. B. die „Destillata“, bei der diverse Pálinka gerade in jüngster Vergangenheit Goldmedaillen errangen.

    Derartige Prämierungen sind ein klares Zeichen für die Qualität, Beliebtheit und Bekanntheit dieser Geografischen Angabe und festigen nachhaltig den Ruf dieser herausragenden Brände. Nicht zuletzt trägt die untrennbar mit einer großen historischen Vergangenheit verbundene Bezeichnung Pálinka schon von sich aus zur Reputation dieser geografischen Angabe bei.

 


168 Die Bezeichnung „Obstbrand“ kann nur für die in Ungarn hergestellte Spirituose und nur für die in den österreichischen Bundesländern Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Wien hergestellten Destillate aus Marillen, durch die Bezeichnung Pálinka ersetzt werden.' (Art. 1 Abs. 4 lit. i Z 4 der Verordnung (EWG) Nr. 1576/89)

Ungarn; mit Ermächtigung Österreichs, die Technische Unterlage auch für Österreich einzureichen.

Die Angabe der Brennerei, die das Erzeugnis hergestellt hat ist obligatorisch.
In Fortführung der historischen Tradition ist die Bezeichnung „Barack Pálinka“ für Österreichischen Marillen - Pálinka verkehrsüblich.

Das EU-Logo für eingetragene geografische Angaben gemäß Anhang V der Verordnung (EG) Nr. 1898/2006169 kann in Entsprechung von Art. 22 der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 716/2013170 der Kommission verwendet werden.

 


169 Verordnung (EG) Nr. 1898/2006 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 510/2006 zum Schutz von geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel.

170 Durchführungsverordnung (EU) Nr. 716/2013 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 110/2008 zur Begriffsbestimmung, Bezeichnung, Aufmachung und Etikettierung von Spirituosen sowie zum Schutz geografischer Angaben für Spirituosen.

Inländerrum

Sonstige Spirituose, im Sinne von Art. 9 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 110/2008

  •  Physikalische, chemische Eigenschaften
Alkoholgehalt mindestens 38 % vol, verkehrsüblich sind zudem Alkoholstärken bis 80 % vol
Gesamt-Trockenextrakt nicht mehr als 2 g/l
Ethylacetat im Fertigerzeugnis (aus Essenz und alkohol. Basis) nicht mehr als 240 mg/100 ml; und max. 300 mg/100 ml bei Alkoholstärken ab 60 % vol.

 

  • Organoleptische Eigenschaften

    Inländerrum ist klar und weist in der Regel eine typisch rum- bis rötlichbraune, von der Färbung herrührende Farbe auf. Inländerrum kann auch ungefärbt in Verkehr gebracht werden.
    Geruch und Geschmack zeichnen sich durch die unverwechselbar typischen, charakteristischen Inländerrum-Aromanoten aus, die in ihrer Ausprägung von leicht (vereinzelt auch sehr leicht) bis hin zu extrem stark reichen können.

  •  Besonderer Merkmale (im Vergleich zu anderen Spirituosen derselben Kategorie)

    Inländerrum erinnert mit Anklängen an vor allem Vanille- und Esternoten an hocharomatischen Rum, ohne mit herkömmlichem Rum (Kategorie 1 des Anhangs II der Verordnung (EG) Nr. 110/2008) verwechselbar zu sein. In seiner Art einzigartig, repräsentiert Inländerrum einen eigenständigen Aromatypus der unwillkürlich an Österreich denken lässt und sich vor allem durch seinen hohen Wiedererkennungswert auszeichnet.

 

Inländerrum wird in allen Regionen der Republik Österreich hergestellt.

Zur Herstellung von Inländerrum wird Rum gemäß Anhang II, Kategorie 1, lit. a Nummer i) der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 verwendet.

Zur Geschmacksgebung wird ungefärbte, oder auch bereits gefärbte Inländerrumessenz verwendet. Inländerrumessenz ist ein, ebenfalls auf in Österreich gebranntem Rumdestillat aufgebauter, sehr geschmacksintensiver, nicht zum unmittelbaren Genuss bestimmter Grundstoff, der nach einem in Österreich weiter entwickelten traditionellen Destillationsverfahren - je nach Herstellerrezeptur leicht unterschiedlich - die ihm eigene sehr typische, charakteristisch unverwechselbare Aromatik aufweist.

Zur Abrundung können gemäß Österreichischem Lebensmittelbuch, Kapitel B 23 auch traditionell verwendete Bonifikateure zugesetzt werden.

Der gesamte Alkohol des Fertigerzeugnisses ist ausschließlich Rum. Zu keiner Zeit wird dem Erzeugnis oder einer seiner Komponenten Fremdalkohol, insbesondere kein Alkohol im Sinne des Anhangs I Nr. 5 der Verordnung (EG) Nr. 110/2008, ob verdünnt oder unverdünnt, oder ein nicht ausschließlich auf der Basis von Zuckerrohr gewonnenes Destillat zugesetzt.

 

  •  Angaben zu dem geografischen Gebiet oder Ursprung, die für den Zusammenhang von Bedeutung sind 

Inländerrum ist eine traditionelle österreichische Spirituose mit einer vermutlich mehr als 250-jährigen Geschichte. Gesichert lässt sich Inländerrum, den Quellen zufolge bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. So wird „Inländerrum“ bereits in der allerersten Ausgabe des Österreichischen Lebensmittelbuches, im III. (Schluss-) Band des Codex alimentarius Austriacus (Wien 1917, Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei) hochoffiziell in Kapitel IL. – „Spirituosen“ erwähnt. Die nähere Beschreibung und Charakterisierung, mit einem vorgeschriebenen Mindestalkoholgehalt von (damals) 40 Volumenprozenten sowie dem auf 0,5 g in 100 cm³ begrenzten Estergehalt, auf Essigsäureethylester berechnet, fußt offensichtlich auf einer bereits in der Zeit zwischen 13. Oktober 1891 und 25. April 1898 – unter Federführung von N. v. Lorenz (einem Mitglied der damaligen wissenschaftlichen Kommission zum Entwurf eines Codex) – erstellten Urfassung des Kapitels „Spirituosen und Essig“. Die Ursprünge von Inländerrum reichen damit jedenfalls in eine Zeit vor 1891 zurück. 

Entstanden ist Inländerrum in einer Zeit als Österreich noch Zugang zum Meer hatte und mit eigenen Schiffen Rum aus überseeischen Gebieten ins Land holte. Da der Transport mit Schiffen unsicher, zeitaufwändig und kostenintensiv war, wurden bald Versuche unternommen, auf Basis verdünnten Sprits (Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs) unter Zusatz von „Kunstrum-Essenzen“ oder anderen aromatischen Stoffen und Zuckercouleur die Geruchs- und Geschmacksrichtung von Rum nachzuempfinden. Von altersher in Österreich eingebürgert, hat sich das ehemalige Kunstrumerzeugnis schrittweise zu der unverwechselbaren, eigenständigen Spirituose weiterentwickelt, die unter der Bezeichnung „Inländerrum“ nunmehr untrennbar mit dem geografischen Gebiet Österreichs verbunden ist und die entsprechend den jeweiligen geheimen Herstellerrezepturen zwar leicht unterschiedlich sein kann, stets aber den unverwechselbaren charakteristischen Geruch und Geschmack von Inländerrum aufweist. 

Mit seinem einzigartigen Namen, der einen festen Bezug zum „Inland“ Österreich herstellt und seiner typischen charakteristischen Geruchs- und Geschmacksausprägung ist Inländerrum zu einem Markenzeichen für Österreich geworden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Inländerrum von jeher in Form von traditionellen Mehlspeisrezepturen aber auch bestimmten Schokoladeerzeugnissen auch mit der österreichischen Mehlspeisküche und dem Patisseriebereich untrennbar verbunden ist und als Produkt „sui generis“ etwa aus den vorweihnachtlichen oder winterlichen Backstuben nicht mehr wegzudenken ist. 

Inländerrum ist seit dem neuerlichen Aufschwung des Tourismus nach 1955 weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt und besonders in den angrenzenden Mitgliedstaaten äußerst beliebt. 

Im Übrigen ist Inländerrum das an Menge und Umsatz bei weitem bedeutsamste Erzeugnis des industriellen Spirituosensektors in Österreich. 

  • Bestimmte Eigenschaften der Spirituose, die dem geografischen Gebiet zuzuschreiben sind 

Seit dem Beitritt Österreichs171 zur Europäischen Union - mit Auslaufen der im Zuge der Beitrittsverhandlungen eingeräumten Übergangsfrist 31.12.1998 – wird Inländerrum nach Österreichischem Lebensmittelbuch III. Auflage, Kapitel B 23, Abschnitt 4.17.1.2. auf der Basis von Rumalkohol (gemäß Verordnung EWG Nr. 1576/89, auf Rohstoffbasis von aus der Verarbeitung von Zuckerrohr stammender Melasse, Sirup oder anderen Rückständen der Zuckerrohrverarbeitung) hergestellt. Die Bezeichnung Inländerrum stellt einen festen Bezug zum „Inland“ Österreich her. Inländerrum und Inländerrumessenz sind daher ausschließlich auf in Österreich gebranntem Rumdestillat aufgebaut. 

Die Destillation und Fertigstellung finden ausschließlich in Österreich statt.

 


 171 Beitrittsakte (94/C 241 /08), ABl. Nr. C 241 vom 29.8.1994, Seite 21,

Österreich

Inländerrum kann auch mit schlagwortartiger Angabe der Alkoholstärke bezeichnet werden. Die schlagwortartige Verwendung einer für Inländerrum typischen handelsüblichen Alkoholstärke weist jedenfalls auf Inländerrum hin, z. B. „Inländerrum 38“.

Jägertee/Jagertee/Jagatee

Likör, Kategorie 32 des Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 110/2008

  • Physikalische, chemische Eigenschaften
    Alkoholgehalt mindestens 22,5 % vol
    handelsüblich wird Jägertee/Jagertee/Jagatee auch höhergradig aber auch konzentriert angeboten
    Mindestzuckergehalt (ausgedrückt als Invertzucker) 100 g Zucker je Liter
  • Organoleptische Eigenschaften:
    Jägertee/Jagertee/Jagatee weist eine von Schwarztee geprägte Farbe auf und zeichnet sich in Geruch und Geschmack insbesondere durch eine charakteristische, wahrnehmbare Inländerrumnote aus, die in allen Produkten unverzichtbar vorhanden ist.

    Typisch für Jägertee/Jagertee/Jagatee sind darüber hinaus die sich gegenseitig harmonisch ergänzenden Aromen aus der Kombination von Schwarztee mit Zitrusfrüchten, die von leicht würzigen Noten nach Zimt und Nelken dezent abgerundet werden.

    Eine glühwein- oder glühmostartige - von Zimt und Nelken dominierte - Aromatisierung ist nicht feststellbar.
  • Besondere Merkmale (im Vergleich zu anderen Spirituosen derselben Kategorie)
    Jägertee/Jagertee/Jagatee ist ein Likör auf Basis von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs mit Tee (Schwarztee) und/oder Teeextrakt sowie Inländerrum als grundlegend essentiellen Bestandteilen. Im Unterschied zu herkömmlichen Likören wird Jägertee/Jagertee/Jagatee in der Regel mit heißem Trinkwasser aufgegossen.

    Ungeachtet seiner üblichen Verwendung als Heißgetränk kann Jägertee/Jagertee/Jagatee - als ein Likör - naturgemäß auch unverdünnt genossen werden.

    Wird Jägertee/Jagertee/Jagatee in Gastronomiebetrieben, auf Schi- oder Almhütten oder auch Weihnachtsmärkten offen ausgeschenkt, ist es handels- bzw. verkehrsüblich das Erzeugnis, als Heißgetränk nach Mischen mit verschiedenen flüssigen Lebensmitteln, auch unter dem für abgefüllte Ware vorgeschriebenen Mindestalkohol, zumindest aber mit 7,5 % vol abzugeben.

„Jägertee“, „Jagertee“ oder „Jagatee“ wird in allen Regionen der Republik Österreich hergestellt.

Neben Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs (und Zucker), sind die essentiell wertbestimmenden Bestandteile von Jägertee/Jagertee/Jagatee jedenfalls Tee (Schwarztee), Inländerrum sowie Auszüge von zumindest Orange und Zitrone. Gewürze, wie insbesondere Zimt und Nelken, werden (nur) zur harmonischen Abrundung, nicht aber dominant eingesetzt.
Entsprechend regionaler Vorlieben kann Jägertee/Jagertee/Jagatee, je nach Hersteller auch in leicht unterschiedlichen Varianten erzeugt werden.
Für das Erzielen einer solchen, regional beliebten Geschmacksvariation werden zusätzlich zu den stets eingesetzten, essentiell wertbestimmenden Bestandteilen, weitere geruch- und geschmackgebende Komponenten wie qualitativ hochwertige Obstbrände oder andere Destillate oder Destillationsprodukte, Jamaikarum oder Arrak sowie Obstsäfte oder -konzentrate, ätherische Öle, Auszüge aus Schalenfrüchten oder auch Gewürze, in veränderlichen Anteilen beigegeben.
Wein oder Obstwein werden keinesfalls zugesetzt.

  • Angaben zu dem geografischen Gebiet oder Ursprung, die für den Zusammenhang von Bedeutung sind
    Der Begriff Jägertee/Jagertee/Jagatee geht ursprünglich zurück auf ein als „Jagdtrank“ bezeichnetes Getränk, das erstmals im Jahr 1864 in einem Inserat eines Österreichischen Rosoglio- & Liqueur - Herstellers mit Namen „Zur Gailthalerin“ auftaucht. Der daraus abgeleitete Begriff „Jagdtee“ wird seit dieser Zeit nachweislich für Getränke verwendet, die vorzüglich in der kalten Jahreszeit nach ausgiebigen Jagd- oder Sportausflügen die Menschen wärmte. Im Laufe der Jahrzehnte wurden diese Getränke von nahezu allen Österreichischen Spirituosenherstellern übernommen. Sie finden sich seit nunmehr über 50 Jahren unter der Bezeichnung Jägertee/Jagertee/Jagatee in den Produktpaletten beinahe aller österreichischer Hersteller.

    Der Jägertee/Jagertee/Jagatee entwickelte sich zu einem beliebten Getränk in der Gastronomie, speziell auf Schihütten, in Ausflugsgegenden und auf verschiedenen Marktständen zu winterlichen Anlässen und ist untrennbar mit dem österreichischen Wintertourismus verbunden.

    Jägertee/Jagertee/Jagatee zählt zu den bekanntesten Spirituosen in Österreich, wie nicht zuletzt die Aufnahme dieses sehr österreichischen Begriffes in die Wissens- und Diskussionsplattform „Austria Forum“ in der Kategorie Alltagskultur / „Heimatlexikon - Unser Österreich“ belegt. Auch zeugen diverse Prämierungen, sowohl auf europäischer Ebene (z. B. DLG Award in Gold der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft DLG, Goldmedaille beim World Spirits Award) als auch in den USA („Chairman’s Trophy“ der Ultimate Spirits Trophy) von der hohen Qualität und vom Ansehen das Jagatee genießt. Seine internationale Bekanntheit ist unter anderem daran ersichtlich, dass etwa in Italien, Slowenien, Kroatien oder auch in Deutschland dem Jagatee nachempfundene Produkte am Markt zu finden sind. Nicht zuletzt existieren auch im Internet zahlreiche Rezepte zur Herstellung jagateeähnlicher Produkte.

    Auf Alkohol gerechnet beträgt Jägertee/Jagertee/Jagatee mehr als ein Drittel der gesamten österreichischen Produktion an Spirituosen. Der überwiegende Teil davon wird außerhalb Österreichs vermarktet.

  • Bestimmte Eigenschaften der Spirituose, die dem geografischen Gebiet zuzuschreiben sind
    Seine charakteristische, untrennbar mit Österreich verbundene wesentlichste Eigenschaft, die stets wahrnehmbare Inländerrumnote, beruht auf dem zwingend erforderlichen Bestandteil Inländerrum.

Österreich

Soll nach Empfehlung des Herstellers Jägertee/Jagertee/Jagatee verdünnt konsumiert werden, ist auf das Verdünnungsverhältnis in der Etikettierung hinzuweisen.

Korn oder Kornbrand

Getreidespirituose

Korn bzw. Kornbrand, im Folgenden zusammenfassend Korn/Kornbrand genannt, ist eine Getreidespirituose, die durch Destillation von vergorener Maische aus Weizen (einschließlich der alten Sorten Dinkel, Einkorn und Emmer), Roggen, Gerste, Hafer oder Buchweizen gewonnen wird.

  • Physikalische, chemische Eigenschaften

    Vorhandener Alkoholgehalt der trinkfertigen Ware:
    Korn mindestens 32 % vol
    Kornbrand mindestens 37,5 % vol
  •  Organoleptische Eigenschaften
    Klarheit: klar
    Farbe: wasserhell oder bei im Kontakt mit Holz gereiften Produkten – je nach Holzbeschaffenheit – wasserhell, gelblich, rötlich oder bräunlich.
    Geruch: dezent, d. h. zart und leicht, bis kräftig nach Getreide - bei sortenreinem Korn nach dem verwendeten Getreide, bei im Kontakt mit Holz gereiften Produkten mit typischer Lagernote, die aus dem Kontakt mit dem Holz stammt.
    Geschmack: weich, harmonisch, mild bis kräftig getreidearomatisch-würzig; bei gereifter Ware typisch für das verwendete Lagergefäß.
  • Besondere Merkmale (im Vergleich zu anderen Spirituosen derselben Kategorie)
  • Lediglich die folgenden Rohstoffarten sind zulässig: Weizen (einschließlich der alten Sorten Dinkel, Einkorn und Emmer), Gerste, Hafer, Roggen oder Buchweizen.
  • Es muss jeweils das volle Getreidekorn oben genannter Rohstoffarten mit all seinen Bestandteilen verzuckert und anschließend vergoren werden.
  • Wird zur Verzuckerung der Getreidestärke anstelle von Enzymen traditionell ganz oder teilweise (Darr-)Malz verwendet, darf der Anteil des (Darr-) Malzes nicht mehr als 25 vom Hundert des Hauptrohstoffes oder der Hauptrohstoffe (vor dem Einmaischen) betragen.
  • Gentechnisch hergestellte Hefearten werden nicht verwendet. Abgesehen von technischen Hilfsstoffen werden der Getreidemaische während des Verzuckerungs- und Vergärungsprozesses keine anderen Stoffe wie z. B. süßende Erzeugnisse oder Aromen zugesetzt.
  • Farbstoffe werden nicht zugesetzt.
  • Süßende Erzeugnisse werden weder den Destillaten noch den Fertigerzeugnissen zugegeben.
  • Verwendete Lebensmittelzusatzstoffe oder sonstige Stoffe: keine, außer Trinkwasser zur Herabsetzung auf Trinkstärke (sog. Reinheitsgebot für Korn). Eine abweichende Regelung gilt für Erzeugnisse, die gemäß Abs. 7.4.5 „Verfahren zur Gewinnung der Spirituose“ mindestens 24 Monate im Kontakt mit Holz gereift sind.

Die Herstellung von „Korn/Kornbrand“ muss in Österreich, Deutschland oder in der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens erfolgen. Eine Aufteilung der einzelnen Herstellungsschritte auf die genannten Regionen ist möglich.

Jedoch dürfen die Herabsetzung des/der hochprozentigen Korndestillate/s auf Trinkstärke mit Trinkwasser, die Abfüllung in Flaschen oder andere geeignete Verkaufsbehälter und das Etikettieren und Verpacken auch außerhalb des definierten geografischen Gebietes erfolgen.

Zur „deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens“ zählen folgende Gemeinden: Eupen, Kelmis, Lontzen, Raeren, Amel, Büllingen, Burg-Reuland, Bütgenbach und Sankt Vith.

Im ersten Arbeitsschritt zur Gewinnung von „Korn/Kornbrand“, dem Stärkeaufschluss, werden die als Rohstoff verwendeten Weizen-, Dinkel-, Einkorn-, Emmer-, Gersten-, Hafer-, Roggen- oder Buchweizenkörner entweder in einer Mühle (meistens Hammermühle) gemahlen bzw. geschrotet oder in ganzem Zustand in einem Dämpfer (Henzedämpfer) unter Druck erhitzt. Das Mahlen oder Dämpfen der Körner setzt die in den Körnern enthaltene Stärke frei und es entsteht ein Brei, die sog. Maische.

Als nächster Arbeitsschritt folgt die Verzuckerung. Dabei werden der Maische im sog. Vormaischbottich Enzyme oder alternativ in traditioneller Weise Malz zugesetzt. Die Enzyme bzw. das Malz bewirken eine Umwandlung der Stärke in Zucker (Malzzucker bzw. Maltose).

Im Anschluss daran erfolgt die Gärung oder Fermentation. Die sog. Süßmaische wird in Gärtanks gepumpt und der Zusatz der Hefe (in der Regel handelt es sich hier um eine spezielle Brennereihefe) bzw. die in der Hefe enthaltenen Enzyme bewirken in einem ersten Schritt die Umwandlung des Malzzuckers in Glucose (sog. Dextrose) und in einem zweiten Schritt die Umwandlung von Dextrose in Alkohol und Kohlensäure. Die Gärung dauert je nach Gärverfahren in der Regel zwei oder drei Tage.

Als vierter Arbeitsschritt folgt die Destillation. Beim traditionellen, insbesondere in landwirtschaftlichen Kornbrennereien noch immer vorzufindenden diskontinuierlichen Destillationsverfahren wird zwischen der ersten und zweiten Destillation unterschieden. Bei der ersten Destillation, dem sog. Rohbrennen, wird die vergorene Maische (sog. Sauermaische) in einer Rohbrandkolonne zum Sieden gebracht. Der in Form von Dampf entweichende Alkohol wird am oberen Ende der Kolonne aufgefangen und durch Abkühlen wieder verflüssigt. Eine zweite Destillation, die sog. Rektifikation, die in einer Feinbrandkolonne bzw. in einem Feinbrandblasengerät mit Verstärkerböden erfolgt, befreit den Rohbrand (Rohalkohol) von allen unerwünschten Geschmacks- und Geruchsstoffen. In modernen größeren Kornbrennereien wird das Korndestillat einzügig in einem Destillations-vorgang hergestellt, nicht zuletzt, um Energie zu sparen. Schließlich wird Korn in Österreich (bzw. Deutschland) zum Teil auch in bäuerlichen Abfindungsbrennereien, die lediglich über kupferne Brennblasen mit maximal drei Verstärkerböden und einem Fassungsvermögen von höchstens 150 Liter verfügen dürfen, in einem oder zwei getrennten Destillationsvorgängen gewonnen.

Nach der Destillation schließt sich vielfach eine Reifung in Holzfässern oder Behältnissen mit Holzeinbauten an. Alternativ werden die Korndestillate auch in anderen geeigneten Behältnissen gelagert. Nicht verwendet werden Holzchips oder Eichenholzspäne.

  • Als letztes folgt die Fertigstellung, die folgende Schritte beinhaltet:
  • eine eventuelle Zusammenstellung („blending“) unterschiedlicher Korndestillate,
  • die Herabsetzung des/der hochprozentigen Korndestillate/s auf Trinkstärke mit Trinkwasser,
  • die Abfüllung des trinkfertigen Korn in Flaschen oder andere geeignete Verkaufsbehälter,
  • das Etikettieren und Verpacken.

Vorbehaltlich des nachfolgenden Unterabsatzes werden Korn/Kornbrand weder Zusatzstoffe noch sonstige Stoffe zugefügt.

Sofern Erzeugnisse mindestens 24 Monate im Kontakt mit Holz gereift sind, wobei unter „Reifung“ das im EU-Spirituosenrecht beschriebene Verfahren zu verstehen ist, darf ihnen zur Abrundung karamellisierter Zuckersirup oder karamellisierter Zucker bis zu einer Höchstmenge von 0,05 g je Liter Fertigware zugesetzt werden. Dieser Zusatz ist gemäß Abs. 7.4.9.4 „Besondere Etikettierungsregeln“, kenntlich zu machen.

  • Angaben zu dem geografischen Gebiet oder Ursprung, die für den Zusammenhang von Bedeutung sind

    Das Renommee von Korn/Kornbrand als typische Spirituose des deutschen Sprachraums ist durch zahlreiche geschichtliche Urkunden, in der Literatur und durch frühe gesetzliche Vorschriften umfassend belegt. Die Herstellung von Korn hat in Deutschland, Österreich und in der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens lange Tradition.

    Früh schon, im Hofkanzleidekret vom 21. September 1835 (Politische Gesetzessammlung, 63. Band, Nr. 154), wird in Österreich die Untersuchung des „Branntweins“ auf seine Reinheit geregelt und bereits in der ersten Ausgabe des Österreichischen Lebensmittelbuches Codex alimentarius Austriacus, Band III. Kapitel XLIX „Spirituosen“ von 1917 - basierend auf dem Entwurf „Spirituosen und Essig“ (N v. Lorenz) aus den Jahren 1891 bis 1898 - wird „Echter Kornbranntwein“ den „Edelbranntweinen“ zugezählt […] „wenn ihm nicht fremde Geruchs- oder Geschmacksstoffe zugesetzt worden sind“.

    Und auch die Herstellung von „echtem“ Kornbranntwein wird bereits präzisiert:
    „Zur Herstellung des echten Kornbranntweins vermaischt man geschrotetes oder gequetschtes Korn (Roggen) unter Zusatz von Malz, und zwar von Darrmalz oder Grünmalz, kühlt die Maische ab und vermischt mit Anstellhefe. Hie und da wird bei der Herstellung des Kornbranntweins auch Weizen mitverarbeitet oder eine geringe Menge von gekochtem oder gedämpftem Mais oder Buchweizen zugesetzt.“

    Die erste europäische Spirituosenverordnung, die ab 15. Dezember 1989 galt (Verordnung (EWG) Nr. 1576/89) reservierte die Bezeichnungen „Korn/Kornbrand“ ausschließlich für Hersteller in „Deutschland und den Gebieten der Gemeinschaft mit Deutsch als eine der Amtssprachen“.

    Mit der zweiten europäischen Spirituosenverordnung, die mit Wirkung vom 20. Mai 2008 zur Anwendung kam (Anhang III der Verordnung (EG) Nr. 110/2008), wurden die Bezeichnungen „Korn“ und „Kornbrand“ erstmals EU-weit als geografische Angaben ausschließlich für Hersteller in Deutschland, Österreich und in der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens geschützt.
  • Bestimmte Eigenschaften, die dem geografischen Gebiet zuzuschreiben sind
    Die spezifischen Boden- und Klimaverhältnisse in den jeweiligen Gebieten der drei EU-Mitgliedstaaten lassen die traditionellen Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Buchweizen, durchaus leicht unterschiedlich und stets exzellent, gedeihen. So sind insbesondere die aus den deutschen Schwerpunktregionen Westfalen (Münsterland), Emsland und in Thüringen (Goldene Aue) gedeihenden Rohstoffe von jeher wegen ihrer Qualität bekannt und geschätzt. Österreichs traditionelles Qualitätsweizengebiet, die „Kornkammer“, erstreckt sich vor allem auf das mittlere und östliche Niederösterreich sowie das nördliche und mittlere Burgenland. Geprägt vom warmen pannonischen Klima gedeihen in den tiefgründigen, humusreichen Böden die besten österreichischen Weizenqualitäten. Auch in der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens hat der Getreideanbau, nicht zuletzt auf Grund der dort vorhandenen Böden und des Klimas eine lange Tradition.

    In Verbindung mit der über die Jahre kontinuierlich verfeinerten Brenntechnik verleihen diese Rohstoffe dem Korn/Kornbrand seinen besonders milden und weichen Geschmack.

    Auch wenn viele Kornbrennereien weiterhin Getreide aus der Region verwenden, besteht keine rechtliche Verpflichtung, nur Getreide aus dem abgegrenzten geografischen Gebiet zu verwenden.

    Mit Einführung des Maria-Theresianischen Brennrechts („3 Hektoliter Brennrecht“) im 18. Jahrhundert entwickelte sich in Österreich, ähnlich wie in Deutschland mit dem Branntweinmonopolgesetz, eine ausgeprägt kleinteilige Produktionsstruktur.

    Neben der fixen Verankerung als Kulturgut im gesamten deutschsprachigen Raum der EU stützt sich das Ansehen von Korn speziell in Österreich, auch auf die beliebte Verwendung von Korn („Ansatzkorn“) als hochwertige alkoholische Basis zur Herstellung von Likören. So existieren zahlreiche traditionelle Hausrezepte, wie etwa für die Herstellung von „Nuss-“ oder „Zirbenschnaps“ (Verkehrsbezeichnung Likör oder Spirituose) aber auch für diverse Fruchtliköre wie z. B. Weichsellikör, Heidelbeerlikör und ähnliche mehr. Diese, vor allem im privaten oder bäuerlichen Umfeld gerne hergestellten „angesetzten“ Spirituosen sind ohne die dezent spezifischen Noten von Korn undenkbar. Erst der weiche, harmonische, milde bis kräftigen Geschmack von Korn verleiht den Erzeugnissen ihren gewohnt vertrauten harmonisch runden Wohlgeschmack. Die Beliebtheit und das hohe Ansehen, das Korn allen schnelllebigen Trends zum Trotz über all die Jahre hinweg in Österreich genießt, lässt sich unschwer auch an den zahlreichen, im Internet publizierten Grundrezepten für Spirituosen mit Korn ablesen.

    Selbst „Bio“-Korn, der im Einklang mit den Regeln der biologischen Landwirtschaft in Österreich hergestellt wird, hat mittlerweile Eingang am Markt gefunden und gewinnt zunehmend an Bedeutung.

    Der österreichische Markt an Korn umfasst aktuell (Stand: 2014) rund 800.000 Flaschen à 0,7 Liter.

Mitgliedstaat: Bundesrepublik Deutschland, mit Ermächtigung die Technische Unterlage auch für Österreich und die deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens einzureichen.

Die Bezeichnungen Korn oder Kornbrand werden gemäß EU-Spirituosenrecht nur ergänzt

  • mit den in den Unterabschnitten 7.4.9.2 bis 7.4.9.3 geregelten Begriffen oder
  • anderen als den in den Unterabschnitten 7.4.9.2 bis 7.4.9.3 geregelten Begriffen, sofern diese nachweislich bereits am 20. Februar 2008 gebräuchlich waren (z. B. Gutskorn, Ansatzkorn).

Korn/Kornbrand der vollständig in Österreich destilliert und hergestellt wird, darf unter der Bezeichnung „Österreichischer Korn/Kornbrand „in Verkehr gebracht werden, wobei das Herabsetzen mit Trinkwasser auf Trinkstärke, die Abfüllung in Flaschen oder andere Verkaufsbehälter und die Verpackung einschließlich Etikettierung auch außerhalb Österreichs erfolgen darf.

Analoges gilt für Korn/Kornbrand, der vollständig in Deutschland oder in der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens destilliert und hergestellt wird und der unter der Bezeichnung „Deutscher Korn/Kornbrand“ bzw. „Belgischer Korn/Kornbrand“ oder „Korn/Kornbrand aus der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens“ in Verkehr gebracht werden darf.

Andere geografische Bezugnahmen, als „Österreichischer“ (bzw. „Deutscher“ oder „Belgischer/aus Belgien“), z. B. „Weinviertler Korn“, dürfen die Bezeichnung Korn/Kornbrand nur ergänzen, wenn die Produkte in den genannten Gebieten/Orten ihren Charakter und ihre wesentlichen Eigenschaften erhalten haben.

Nach allgemeiner Verkehrsauffassung ist dies bei einem Korn, der ausschließlich auf Basis von gekauften, nicht aus dem genannten Ort stammenden Korndestillaten hergestellt wird, nur dann der Fall, wenn bei diesem Korn zumindest verschiedene gekaufte Korndestillate an dem genannten Ort zusammengestellt wurden (sog. Blending).

  • Korn/Kornbrand, der auf eine bestimmte Getreide- oder Rohstoffart wie z. B. Weizen-Korn oder Buchweizen-Korn hinweist, enthält unbeschadet der Verwendung von (Darr-)Malz zur Verzuckerung der Stärke ausschließlich Destillat aus der betreffenden Getreide- oder Rohstoffart.
  • Wird ein Erzeugnis unter den Bezeichnungen „Doppel-Korn“, „Doppelkorn“, „Edel-Korn“ oder „Edelkorn“ vermarktet, so muss es einen Mindestalkoholgehalt von 38 %vol aufweisen. Die zusätzliche Verkehrsbezeichnung „Kornbrand“ ist zulässig, jedoch nicht notwendig.
  • „Ansatzkorn“ bezeichnet handelsüblich einen in Österreich vermarkteten Korn/Kornbrand mit einem Alkoholgehalt zwischen 37,5 % vol und 80 % vol.
  • Werden die Bezeichnungen „Korn/Kornbrand“ um Reifungs-, Alterungs- oder Lagerungsangaben wie z. B. „alt“, „alter“, „gereift“ oder „holzfassgereifter“ ergänzt, so müssen die Erzeugnisse mindestens 6 Monate im Kontakt mit Holz gereift oder in sonstigen geeigneten Behältnissen gelagert worden sein. Bei im Kontakt mit Holz gereiften Produkten kann die Lagerzeit in Monats- bzw. Jahreszahlen (z. B. „12 Monate gereift“ oder „3 Jahre alt“) angegeben werden.

    Werden andere, auf eine längere Reifungs- oder Lagerungszeit hinweisende Angaben (z. B. „ganz alter“ oder „sehr alter“) verwendet, so beträgt die Mindestreifungszeit 3 Jahre und die tatsächliche Reifungszeit muss im selben Sichtfeld wie diese Angabe in Jahres- und Monatsangaben (z. B. ganz alter Korn –drei Jahre gereift) kenntlich gemacht werden.
    Wird ein gereifter Korn/Kornbrand mit einem der nachstehenden Abkürzungen, die international vor allem für Weinbrand oder Cognac verwendet werden, in den Verkehr gebracht, gelten die für Weinbrand oder Cognac üblichen Mindestreifezeiten analog.

    Im Einzelnen gelten folgende Mindestreifezeiten:
           V.O oder VO: Mindestreifezeit 2 Jahre
           V.S.O.P. oder VSOP: Mindestreifezeit 4 Jahre
           V.V.S.O.P. oder VVSOP: Mindestreifezeit 5 Jahre
           X.O. oder XO: Mindestreifezeit 6 Jahre

  • Werden die Bezeichnungen „Korn/Kornbrand“ um Qualitätsangaben (z. B. „feiner“, „Premium“, „Tafel-“) ergänzt, so müssen die Erzeugnisse sich gegenüber Standarderzeugnissen etwa im Hinblick auf einen milderen oder weicheren Geschmack, einen höheren Alkoholgehalt als den gesetzlichen Mindestalkoholgehalt oder durch Reifung in Holzfässern deutlich in der Qualität abheben.
  • Erzeugnisse, die im selben Betrieb vollständig hergestellt worden, also dort destilliert, mit Trinkwasser auf Trinkstärke herabgesetzt und abgefüllt worden sind, dürfen die Zusatzangabe „destilliert und abgefüllt in der Brennerei“ tragen.
  • Werden die Bezeichnungen „Korn/Kornbrand“ um die Bezeichnung „landwirtschaftlicher“ ergänzt, so ist die Verzuckerung der Kornmaische ausschließlich mit Darrmalz durchzuführen und das Korndestillat muss diskontinuierlich in zwei Phasen destilliert worden sein, wobei es sich beim Feinbrenngerät um ein Blasengerät mit einem Fassungsvermögen von höchstens 200 Hektoliter handeln darf.

In der Etikettierung von „Korn/Kornbrand“, dem gemäß den in Abschnitt 7.4.5 letzter Unterabsatz festgelegten Bedingungen karamellisierter Zucker oder karamellisierter Zuckersirup zugesetzt wurde, muss dieser Zusatz mit der Angabe „enthält karamellisierten Zuckersirup“ gut sichtbar, in leicht lesbarer Schrift und unverwischbar kenntlich gemacht werden.

Steinfelder Magenbitter

Likör, Kategorie 32 des Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 110/2008

  • Physikalische, chemische Eigenschaften
    Alkoholgehalt mindestens 25 % vol
    Zuckergehalt (ausgedrückt als Invertzucker) mindestens 100 g/l
  • Organoleptische Eigenschaften
    Steinfelder Magenbitter ist leicht naturtrüb oder auch klar und weist in der Regel eine typisch rötlich-dunkelbräunliche, vorwiegend von Mazerat und etwas Zuckerkulör herrührende Farbe auf.

    Der Geruch ist würzig herb, sein Geschmack geprägt von den zum Einsatz kommenden Kräutern und Gewürzen, ausgewogen harmonisch, mit stark bitterer Note.
  • Besondere Merkmale (im Vergleich zu anderen Spirituosen derselben Kategorie)
    Anders als bei herkömmlichen Kräuterlikören, die üblicherweise auf einem einstufigen Mazerationsverfahren aufbauen, kommen für die Herstellung von Steinfelder Magenbitter auch durch Mazeration und Destillation veredelte Pflanzenextrakte zum Einsatz.

    Die Abfüllung erfolgt in Flaschengrößen bis höchstens 0,5 Liter.

Das abgegrenzte geografische Gebiet umfasst eine Region im Umkreis von 60 km um das „Steinfeld“, eine einst karge Landschaft, die im heutigen Stadtgebiet von Graz in den Bezirken Gries und Eggenberg liegt.

Die in einem speziell ausgewogenen Verhältnis zusammengestellten Pflanzenextrakte auf Basis Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, werden durch einstufige Mazeration aber auch in einem zweistufigen Verfahren, durch Destillation zuvor mazerierter Pflanzen/-teile („Mazeration und Destillation“) gewonnen. Zum Einsatz kommt ein spezieller Mix von bestimmten Kräutern und Gewürzen, darunter jedenfalls Kamille, Angelikawurzel, Gewürznelken, Ingwer, Wachholderbeeren sowie Ackerdistel und Hopfen.

Der Mindestanteil an den zu Mazeration bzw. „Mazeration und Destillation“ eingesetzten Kräutern und Gewürzen stellt sicher, dass der charakteristische Geruch und Geschmack der Ausgangsmaterialien im Fertigerzeugnis in angemessener Stärke deutlich erkennbar ist und sorgt für ein harmonisch ausgeprägtes Geruchs- und Geschmackserlebnis mit charakteristischer stark bitterer Note.

Je nach traditioneller Rezeptur der Hersteller wird das Erzeugnis abschließend mit geringen Mengen eines Destillats von Äpfeln und Birnen, lokalen Obstweinen - und/oder anderen aromatisierenden Zutaten (Kletzenbirne, Bonifikateure) abgerundet.

Um den hohen Anforderungen an die Qualität der Rohstoffe gerecht zu werden, nicht zuletzt auch unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Verfügbarkeit, stammen Kräuter und Gewürze überwiegend aus dem nationalen und/oder internationalen Angebot des Marktes. Ackerdistel, Hopfen, und Kletzenbirne stammen in jedem Fall aus dem geografischen Gebiet des Steinfeldes.

Zur Süßung werden Zucker gemäß Anhang I Z 3 lit. a der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 und/oder auch Honig eingesetzt.

  • Angaben zu dem geografischen Gebiet oder Ursprung, die für den Zusammenhang von Bedeutung sind
    Steinfelder Magenbitter wurde mit Beitritt Österreichs172 zur EU am 29.08.1994 als geographische Angabe nach Art. 5 Absatz 3 der Verordnung (EWG) Nr. 1576/89 in Anhang II der genannten Verordnung aufgenommen. Der Aufnahme voran, geht eine langjährige Tradition in der Herstellung von Steinfelder Magenbitter in der Region 60 km rund um das Stadtgebiet von Graz, die dem Erzeugnis ein untrennbar mit der Region verbundenes Ansehen verschaffte.

    Geprägt durch den Lebensrhythmus einer kargen, steinigen Landschaft und der damit verbundenen schweren Arbeit, haben die ortsansässigen, meist in der Landwirtschaft tätigen Bewohner des historischen Steinfeldes die Rezeptur für einen Magenbitter als Begleiter zu den vorwiegend kalorienreichen schweren Mahlzeiten damaliger Zeiten entwickelt.

    Ausgehend von diesen alten Rezepturen, hat sich der Steinfelder Magenbitter über die Jahre hinweg zu einer traditionellen, für die Gegend äußerst typischen Spezialität von höchstem Ansehen gewandelt.

    Ohne sein hohes Ansehen hätte Steinfelder Magenbitter auch nie die Hürden bei den überaus schwierigen Verhandlungen zur Schaffung eines Europäischen Wirtschaftsraumes in den 1990-er Jahren im Zuge der Beitrittsverhandlungen Österreichs geschafft - siehe z. B. Wolfgang Burtscher, Das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR): Entstehung, Kurzdarstellung, Textauswahl; Verlag facultas.wuv / maudrich, 1992.

    Selbst in der jüngeren internationalen Fachliteratur, The Oxford Handbook of Food Fermentation, Charles W. Bamforth, Robert E. Ward, Oxford University Press, 01.08.2014, wird „Steinfelder Magenbitter“ als ein Beispiel für die aus der breiten Masse der Liköre herausragenden „herb liqueurs“ genannt und darauf verwiesen, dass die Bedeutung dieser Liköre auf traditionellen Rezepturen und eine intensive Verankerung in der Kultur einer geografischen Region beruht.

    Als untrügliches Zeichen für das hohe Ansehen, das Steinfelder Magenbitter verdienterweise genießt, ist schließlich auch der Eintrag im Österreichischen Lebensmittelbuch, IV. Auflage Kapitel B 23 Spirituosen, in Abschnitt 7.5 „Geografische Angaben von überregionaler Bedeutung“ zu nennen.

 


172 Beitrittsakte (94/C 241 /08), ABl. Nr. C 241 vom 29.8.1994, Seite 21

Österreich

keine

Wachauer Weinbrand

Brandy/Weinbrand, Kategorie 5 des Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 110/2008

  • Physikalische, chemische Eigenschaften
    Alkoholgehalt mindestens 36 % vol
    Gesamt-Trockenextrakt höchstens 20 g/l Fertigerzeugnis
    Methanolgehalt höchstens 100 g/hl r. A.
    bei Destillaten aus Rotwein bis 180 g/hl r. A.
    Flüchtige Bestandteile mindestens 125 g/hl r. A.
    Ethylacetat höchstens 90 g/hl r. A.
    Höhere Alkohole (iC4 + iC5)* mindestens 160 g/hl r. A.
    höchstens 400 g/hl r. A.
    Asche höchstens 0,50 g/l (auf Ware berechnet)

    * iC4 = 2-Methyl-1-propanol (iso-Butanol); iC5 = Summe von 2-Methyl-1-butanol und 3-Methyl-1-butanol (iso-Amylalkohole)
  • Organoleptische Eigenschaften
    Wachauer Weinbrand ist klar, von goldgelber bis bernsteinfarbener, gelblich bräunlicher Farbe, mild bis kräftig, nicht scharf und lässt in Geruch und Geschmack die für die Ausgangsweine typisch weinigen Noten erkennen. Von der Lagerung im Eichenfass weist er die typischen Anklänge an Holz und Vanille, mitunter auch eine (sehr) dezent rauchige Charakteristik auf.
  • Besondere Merkmale (im Vergleich zu anderen Spirituosen derselben Kategorie)
    Wachauer Weinbrand zeichnet sich besonders bei früher Ernte der Trauben durch seine Vielschichtigkeit aus und ist von einer typisch extraktreichen Stilistik mit konzentrierter Fruchtwürze geprägt.

    Im Vergleich zur Kategorie Brandy/Weinbrand weist Wachauer Weinbrand traditionell einen Gesamt-Trockenextrakt von höchstens 20 g/l, einen niedriger festgelegten Methanolhöchstgehalt sowie einen definierten Höchstgehalt für Essigsäureethylester (Ethylacetat) auf.

Wachauer Weinbrand wird ausschließlich aus Weinen der geschützten Ursprungs-bezeichnung (PDO-AT-A0205) „Wachau“ hergestellt.

Das Ursprungsgebiet „Wachau“ umfasst die niederösterreichischen Gemeinden Aggsbach, Bergern im Dunkelsteinerwald, Dürnstein, Mautern an der Donau, Mühldorf, Rossatz, Spitz und Weißenkirchen.

Wachauer Weinbrand wird ausschließlich in Destillerien im geografisch abgegrenzten Ursprungsgebiet „Wachau“ erzeugt.

Wachauer Weinbrand wird gemäß den Anforderungen an die Kategorie 5 des Anhangs II der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 aus Branntwein mit oder ohne Zusatz von (bezogen auf den Alkoholgehalt des Fertigerzeugnisses) höchstens 50 % Weindestillat, das zu weniger als 94,8 % vol destilliert ist, gewonnen.

Für die Gewinnung der für Wachauer Weinbrand zulässigen Weine sind nach Produktspezifikation gemäß Verordnung (EG) Nr. 1234/2007173 – Art. 118 lit. c174 für eine Ursprungsbezeichnung gem. Art. 118 lit. b175 – folgende Keltertraubensorten erlaubt:

  1. Weißweinrebsorten:
    Bouvier, Chardonnay (Morillon), Frühroter Veltliner (Malvasier), Furmint, Goldburger, Grauer Burgunder (Pinot Gris, Ruländer), Grüner Veltliner (Weißgipfler), Jubiläumsrebe, Müller-Thurgau (Rivaner), Muskateller (Gelber Muskateller, Roter Muskateller), Muskat-Ottonel, Neuburger, Roter Veltliner, Rotgipfler, Sauvignon Blanc, Scheurebe (Sämling 88), Sylvaner (Grüner Sylvaner), Traminer (Gewürztraminer, Roter Traminer, Gelber Traminer), Weißer Burgunder (Weißburgunder, Pinot Blanc, Klevner), Weißer Riesling (Riesling, Rheinriesling), Welschriesling, Zierfandler (Spätrot);
  2. Rotweinrebsorten:
    Blauburger, Blauer Burgunder (Blauer Spätburgunder, Blauburgunder, Pinot Noir), Blauer Portugieser, Blauer Wildbacher, Blaufränkisch, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Merlot, Rathay, Roesler, St. Laurent, Syrah (Shiraz), Zweigelt (Blauer Zweigelt, Rotburger).

Die Herstellung des Destillates erfolgt in traditionellen Destillationsanlagen mit Kupfer- oder Stahlkesseln. Der typisch arteigene Ausgangsgeschmack der Grundweine bleibt im Zuge einer besonders schonenden Destillation weitestgehend erhalten.

Kontinuierliche Destillationsverfahren werden nicht angewendet.

Die Lagerung des Destillates erfolgt in für die Wachau typischen Eichenholzfässern, die meist eine Größe von deutlich weniger als 1 000 Litern aufweisen.

Die Mindest-Lagerzeit liegt bei 3 Jahren.

 


173 Verordnung (EG) Nr. 1234/2007 über eine gemeinsame Organisation der Agrarmärkte und mit Sondervorschriften für bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse (Verordnung über die einheitliche GMO, ABl. L 299 vom 16.11.2007, S 1); aufgehoben durch Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Dezember 2013 über eine gemeinsame Marktorganisation für landwirtschaftliche Erzeugnisse und zur Aufhebung der Verordnungen (EWG) Nr. 922/72, (EWG) Nr. 234/79, (EG) Nr. 1037/2001 und (EG) Nr. 1234/2007, ABl. L 347 vom 20.12.2013, S. 671.

174 entsprechend Art. 94 Abs. 2 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013

175 entsprechend Art. 94 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013

  • Angaben zu dem geografischen Gebiet oder Ursprung, die für den Zusammenhang von Bedeutung sind

    Wachauer Weinbrand wurde mit Beitritt Österreichs176 zur EU am 29.08.1994 als geographische Angabe nach Art. 5 Absatz 3 der Verordnung (EWG) Nr. 1576/89 in Anhang II der genannten Verordnung aufgenommen. Der Aufnahme voran, geht eine langjährige Tradition in der Herstellung von Weinbrand in der Region „Wachau“ – nunmehr Ursprungsgebiet – die dem Erzeugnis ein weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekanntes, untrennbar mit der Region verbundenes Ansehen verschaffte.

    Auf Grund ihrer geografischen Lage weist die Wachau speziell für den Weinbau außerordentliche Besonderheiten auf.

    Siehe „Angaben zum geografischen Gebiet“ für die geschützte Ursprungsbezeichnung PDO-AT-0205:

    „In Jahrmillionen hat sich die Donau ihren windungsreichen Weg durch den Gföhler Gneis gegraben, dabei entstanden Urgesteinsverwitterungsböden. In der Nacheiszeit setzte sich im Windschatten der Berge Flugsand ab, sodass sich an den Ostseiten der Urgesteinshänge vielfach Lössauflagen bildeten. Diese geologischen Geländeverhältnisse stehen in Verbindung mit den bereits im Mittelalter angelegten Steinterrassen zur besseren Bewirtschaftung der Steillagen an der Donau und prägen darüber hinaus markante Bild der Wachauer Landschaft.

    Spannungsreich ist auch das Klima, denn hier treffen zwei starke Einflüsse aufeinander – nicht frontal, sondern eng verzahnt: das westlich-atlantische und das östlich-pannonische Klima. Je nach Hanglage, Exposition, Geländeformation sowie durch wärmespeichernde Mauern und Felsen der Terrassen werden Kleinstklimazonen wirksam. Die heißen, trockenen Sommer und die strengen Winter werden durch die große Wasserfläche der Donau ausgeglichen. Die kühlen Fallwinde aus dem nördlichen Waldviertel sorgen speziell in den Monaten vor der Ernte für große Schwankungen zwischen Tag und Nachttemperatur.“

    Die von den Besonderheiten dieses geografischen Gebiets speziell geprägten Weine als zentraler Rohstoff einerseits, sowie das Know-How einer jahrhundertelangen Tradition in Weinbau und Destillation andererseits, prägen somit maßgeblich die Qualität von Wachauer Weinbrand.

    Nicht zuletzt beruht das Ansehen von Wachauer Weinbrand auch auf einem engen Zusammenhang zwischen dem ausgeprägten Tourismus in der Wachau und den Produkten der Weinwirtschaft dieser Region.
  • Bestimmte Eigenschaften der Spirituose, die dem geografischen Gebiet zuzuschreiben sind
    Die in der Wachau vorherrschenden Urgesteinsverwitterungsböden der Terrassenlagen sind sehr gut geeignet für die Produktion der Wachauer Weine. Die Urgesteinsböden, sowie auch Lössböden, gewährleisten im Zusammenspiel mit den vielfach ausgeprägten Kleinklimate mit wärmespeichernden Mauern und Felsen und heißen, trockenen Sommer sowie strengen Wintern eine ausgeprägte Sortenaromatik der Weine. Verstärkt wird diese Sortenaromatik noch durch speziell in den Monaten vor der Ernte auftretende große Schwankungen zwischen Tag- und Nachttemperatur.

    Diesen besonderen Weincharakteristiken ist es zu verdanken, dass ein aus diesen Weinen gewonnener Wachauer Weinbrand die typisch vielschichtige, extraktreiche Stilistik mit intensiver Fruchtwürze erlangt.

 


176 Beitrittsakte (94/C 241 /08), ABl. Nr. C 241 vom 29.8.1994, Seite 21

Österreich

Bei sortenreinem Wachauer Weinbrand, bei dem der zur Destillation eingesetzte Wein zu mindestens 85 % aus der betreffenden Rebsorte besteht, ist ergänzend die Nennung der Rebsorte, zum Beispiel „Wachauer Weinbrand - Grüner Veltliner“, zur näheren Charakterisierung des Erzeugnisses handelsüblich.

Die Angabe der Brennerei, die das Erzeugnis hergestellt hat, ist obligatorisch.

Das EU-Logo für eingetragene geografische Angaben gemäß Anhang V der Verordnung (EG) Nr. 1898/2006177 kann in Entsprechung von Art. 22 der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 716/2013178 der Kommission verwendet werden.

 


177 Verordnung (EG) Nr. 1898/2006 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 510/2006 zum Schutz von geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel.

178 Durchführungsverordnung (EU) Nr. 716/2013 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 110/2008 zur Begriffsbestimmung, Bezeichnung, Aufmachung und Etikettierung von Spirituosen sowie zum Schutz geografischer Angaben für Spirituosen

Wachauer Mariellenbrand

Obstbrand, Kategorie 9 des Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 110/2008

  • Physikalische, chemische Eigenschaften
    Alkoholgehalt mindestens 38 % vol
    Gesamt-Trockenextrakt höchstens 5 g/l – davon höchstens 4 g Zucker (berechnet als Invertzucker) je Liter Fertigerzeugnis
    Methanolgehalt höchstens 1 200 g/hl r. A.
    Gesamtblausäure höchstens 7 g/hl r. A.
    Ethylcarbamat nicht höher als 1 mg/l Erzeugnis
    Flüchtige Bestandteile mindestens 400 g/l r. A.
    Ethylacetat höchstens 350 g/hl r. A.
    Höhere Alkohole (iC4 + iC5)* mindestens 100 g/hl r. A.
    Fuselalkohole (nC3 + iC4 + iC5)* mindestens 150 g/hl r. A.; maximal 1 000 g/hl r. A.

    * nC3 = 1-Propanol; iC4 = 2-Methyl-1-propanol (iso-Butanol); iC5 = Summe von 2-Methyl-1-butanol und 3-Methyl-1-butanol (iso Amylalkohole)
  • Organoleptische Eigenschaften

    Wachauer Marillenbrand ist klar und farblos. Im Vergleich zu herkömmlichen Marillenbränden weist er einen charakteristisch duftig-blumigen Geruch auf und spiegelt den vollfruchtigen Geschmack reifer Wachauer Marillen mit dezentem, niemals dominantem Steinton wider.
  • Besondere Merkmale (im Vergleich zu anderen Spirituosen derselben Kategorie)

    Die Wachauer Marille g.U. umfasst das Sortenspektrum der traditionell im Zeitraum von 1900 bis 1960 von Wachauer Marillenanbauern und ansässigen Marillenbaumschulen selektionierten und ausgepflanzten Sorten. Diese speziellen Sorten zeichnen sich gegenüber anderen Marillensorten durch eine überaus typisch würzige, frisch fruchtige Aromatik aus und prägen den Brand entscheidend mit. Besonderes Kennzeichen von Wachauer Marillenbrand ist sein weicher, vollmundiger Geschmack mit einem würzigen, animierenden, vielschichtigen Marillenaroma, das im Abgang lange anhält. Gegenüber herkömmlichem Marillenbrand weist „Wachauer Marillenbrand“ einen etwas höheren Mindestalkoholgehalt und einen streng limitierten, sehr niedrigen Gehalt an zur Geschmacksabrundung verwendetem Zucker auf. Die entsprechenden Parameter sind im Abschnitt „Physikalische, chemische Eigenschaften“ beschrieben.

Wachauer Marillenbrand wird ausschließlich in Destillerien im abgegrenzten geografischen Gebiet der Region „Wachau-Mautern-Krems“ erzeugt.

Das Gebiet umfasst die Gemeinden Aggsbach-Markt, Albrechtsberg, Bergern im Dunkelsteinerwald, Droß, Dürnstein, Emmersdorf, Furth, Gedersdorf, Krems, Maria-Laach, Mautern, Mühldorf, Paudorf, Rohrendorf bei Krems, Rossatz-Arnsdorf, Schönbühel-Aggsbach, Senftenberg, Spitz, Stratzing, Weinzierl am Wald und Weißenkirchen.

Wachauer Marillenbrand darf ausschließlich aus vollreifen, der Spezifikation179 „Wachauer Marille“ entsprechenden Früchten durch alkoholische Gärung und Destillation hergestellt werden.

Zur Erzielung einer im Allgemeinen nur dezent wahrnehmbaren Kernnote werden die Früchte vor dem Einmaischen in der Regel entsteint.

Werden die Früchte nicht entsteint, erfolgt das Quetschen so behutsam, dass eine Beschädigung der Steine weitestgehend vermieden wird. Fermentierte Maischen nicht entsteinter Marillen werden bis zur Destillation nur kurzfristig gelagert, abgelagerte Steine nicht in die Destillationsanlage gepumpt.

Die Destillation erfolgt in einfachen Brenngeräten oder in Brenngeräten mit Verstärker. Kontinuierliche Destillation ist mit der traditionellen Herstellung unvereinbar und wird nicht eingesetzt.

Das zum Herabsetzen auf Trinkstärke verwendete Trinkwasser stammt – sofern geeignet – aus der Region und weist eine Härte von nicht mehr als 8,4 °dH auf, andernfalls kann entionisiertes Trinkwasser zum Einsatz kommen.

 


179 Verordnung (EG) Nr. 510/2006 Änderungsantrag gemäß Art. 9 „Wachauer Marille“ EG-Nr.: AT-PDO-0117-1473-29.06.2011 g.U. (2012/C 140/06), ABl. C 140 S 18-24 vom 16.5.2012, genehmigt mit Durchführungsverordnung (EU) Nr. 265/2013 der Kommission vom 18.3.2013

  • Angaben zu dem geografischen Gebiet oder Ursprung, die für den Zusammenhang von Bedeutung sind
    Wachauer Marillenbrand wurde mit Beitritt Österreichs180 zur EU am 29.08.1994, als geografische Angabe nach Art. 5 Abs. 3 der Verordnung (EWG) Nr. 1576/89 in Anhang II der genannten Verordnung aufgenommen. Der Aufnahme voran geht eine langjährige Tradition in der Herstellung von Marillenbrand in der Region „Wachau-Mautern-Krems“, die dem Erzeugnis ein weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekanntes, untrennbar mit der Region verbundenes Ansehen verschaffte.
    Als Rohstoff für Wachauer Marillenbrand kommen ausschließlich „Wachauer Ma-rillen“ aus zertifizierten Marillengärten zum Einsatz, die dem Erzeugnis, zusätzlich zu dem auf der traditionsreichen Herstellung in der Region beruhenden Ansehen, seine spezifisch von der Frucht geprägte Aromacharakteristik verleihen.
  • Bestimmte Eigenschaften der Spirituose, die dem geografischen Gebiet zuzuschreiben sind
    Als Ergebnis des regionalen Klimas – mit dem Zusammentreffen von pannonischem und waldviertler Klima, der unmittelbaren Nähe der Donau und den speziell zur Reifezeit der Marillen großen Unterschieden zwischen den Tag- und Nachttemperaturen –, des Einflusses des Bodens sowie der über 100 Jahre alten Anbautradition, trägt die Wachauer Marille g.U. mit ihrer unverwechselbaren Qualität in besonderem Maße zu den frisch fruchtig-würzigen Geschmacks-, Aroma- und Inhaltsstoffen auch des Brandes bei.
    Vom hohen Ansehen des Wachauer Marillenbrandes in ganz Europa, vor allem in Deutschland, zeugen nicht zuletzt Wettbewerbe wie das „Goldene Stamperl“ der „Ab Hof! Wieselburg“ (einer Spezialmesse für bäuerliche Direktvermarkter) oder diverse andere regelmäßig stattfindende Prämierungsverkostungen.

 


180 Beitrittsakte (94/C 241 /08), ABl. Nr. C 241 vom 29.8.1994, Seite 21

Österreich

Die Angabe der Brennerei, die das Erzeugnis hergestellt hat ist obligatorisch.
Das EU-Logo für eingetragene geografische Angaben gemäß Anhang V der Verordnung (EG) Nr. 1898/2006181 kann in Entsprechung von Art. 22 der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 716/2013182 der Kommission verwendet werden.

 


181 Verordnung (EG) Nr. 1898/2006 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 510/2006 zum Schutz von geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel.

182 Durchführungsverordnung (EU) Nr. 716/2013 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 110/2008 zur Begriffsbestimmung, Bezeichnung, Aufmachung und Etikettierung von Spirituosen sowie zum Schutz geografischer Angaben für Spirituosen.

Wachauer Marillenlikör

Likör, Kategorie 32 des Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 110/2008

  • Physikalische, chemische Eigenschaften
    Alkoholgehalt mindestens       15 % vol
    Gesamt-Zuckergehalt mindestens       100 g Zucker (berechnet als Invertzucker) je Liter Fertigerzeugnis
    Fruchtanteil Im Falle der Herstellung als Fruchtsaftlikör beträgt der Anteil an Frucht mindestens 20 Liter Fruchtsaft pro 100 Liter Fertigerzeugnis; Im Fall anderer Herstellungsverfahren kommt ein entsprechend äquivalenter Fruchtanteil zum Einsatz.
  • Organoleptische Eigenschaften
    Wachauer Marillenlikör ist klar, mitunter naturtrüb und weist eine typische rötlichgelbe bis goldorange Farbe ohne deutlich merkliche Brauntöne auf. Bedingt durch das einzigartige Mikroklima in Kombination mit dem Sortenspektrum der „Wachauer Marille“ entfaltet der Wachauer Marillenlikör eine einzigartige Fruchtkomponente, die sowohl in der Nase, besonders aber auch am Gaumen durch seine nachhaltige, feinwürzige mineralische und in seiner Frucht-Komplexität unverkennbare, Marillen-Aromatik besticht. Diese besondere Würze führt zu einer belebenden Harmonie am Gaumen zwischen Frucht, Alkohol, Zucker und Säure.
  • Besondere Merkmale (im Vergleich zu anderen Spirituosen derselben Kategorie)
    Die Wachauer Marille g.U. umfasst das Sortenspektrum der traditionell im Zeitraum von 1900 bis 1960 von Wachauer Marillenanbauern und ansässigen Marillenbaumschulen selektionierten und ausgepflanzten Sorten. Diese speziellen Sorten - und ihre gegenüber anderen Marillensorten überaus typisch würzige, frische fruchtige Aromatik - verleihen Wachauer Marillenlikör seine komplexe Strukturiertheit und prägen das Wesen und den endgültigen Charakter dieses herausragenden Likörs in entscheidendem Maße.
    Besonderes Kennzeichen, sowohl von klaren als auch naturtrüben Wachauer Marillenlikören ist das stets perfekte Zusammenspiel zwischen würzig fruchtigen Noten und einer angenehm milden alkoholischen Basis.
    Dabei hinterlassen Liköre auf der Grundlage von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs - vor allem im Geruch - einen etwas „natürlicheren“, mehr fruchtbetonten Eindruck, während Erzeugnisse (ausschließlich) auf Basis von Wachauer Marillenbrand aufgrund der würzigen, animierend vielschichtigen Marillenaromen des Brandes tendenziell vollmundiger anmuten.

Wachauer Marillenlikör wird ausschließlich in dem in der Spezifikation der geschützten Ursprungsbezeichnung „Wachauer Marille“ definierten abgegrenzten geografischen Gebiet der Region „Wachau-Mautern-Krems“ trinkfertig erzeugt.

Das Gebiet umfasst die Gemeinden Aggsbach-Markt, Albrechtsberg, Bergern im Dunkelsteinerwald, Droß, Dürnstein, Emmersdorf, Furth, Gedersdorf, Krems, Maria-Laach, Mautern, Mühldorf, Paudorf, Rohrendorf bei Krems, Rossatz-Arnsdorf, Schönbühel-Aggsbach, Senftenberg, Spitz, Stratzing, Weinzierl am Wald und Weißenkirchen.

Bei Wachauer Marillenlikör handelt es sich um einen Fruchtlikör, der entweder als Fruchtsaftlikör im Sinne des Österreichischen Lebensmittelbuches IV. Auflage, Kapitel B 23 Spirituosen, Abschnitt 5.1.3, oder nach einem anderen geeigneten zulässigen Verfahren im Sinne von Abschnitt 5.1.1 dieses Kapitels aus frischen Früchten oder Fruchtmark hergestellt wird.

Für den Fruchtsaftlikör kommen Fruchtsaft oder Fruchtsaft aus Konzentrat – gegebenenfalls auch gemischt mit Fruchtmark – entsprechend den Begriffsbestimmungen nach österreichischer Fruchtsaftverordnung183 zum Einsatz. Im Bedarfsfall kann eine für Fruchtsaft nach Fruchtsaftverordnung zulässige Behandlung wie Enzymbehandlung, Klärung, Filtration, zur Anwendung kommen.

Die Fruchtkomponente besteht ausschließlich aus Früchten, die der jeweils gültigen Spezifikation184 der geschützten Ursprungsbezeichnung „Wachauer Marille“ entsprechen. Alkoholische Basis von Wachauer Marillenlikör ist Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs und/oder Wachauer Marillenbrand.

Wird Wachauer Marillenlikör ausschließlich auf Basis Wachauer Marillenbrand hergestellt, weist die Etikettierung eine entsprechende Information darüber auf (siehe Abs. 7.8.10 „Besondere Etikettierungsregeln“).

Zur Süßung werden nur Zucker gemäß Anhang I Z 3 lit. a der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 eingesetzt.

Als Qualitätsprodukt wird Wachauer Marillenlikör im Sinne der technischen Begriffsbestimmungen der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 (Anhang 1 Z 9) nicht aromatisiert.

Zusatzstoffe, mit Ausnahme von Farbstoffen, werden nur insofern eingesetzt, als dies gemäß Verordnung (EG) Nr. 1333/2008185 für Likör grundsätzlich vorgesehen ist.

An Farbstoffen kommen nur die in Anhang II, Teil C Nummer 2. Gruppe II genannten zum Einsatz (Lebensmittelfarbstoffe ohne Höchstmengenbeschränkung).

 


183 Verordnung über Fruchtsäfte und einige gleichartige Erzeugnisse (Fruchtsaftverordnung), BGBl. II Nr. 83/2004 idgF.

184 http://www.patentamt.at/Markenschutz/Schutzrechte/Herkunftsangabe/">http://www.patentamt.at/Markenschutz/Schutzrechte/Herkunftsangabe/

185 Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe

 

  • Angaben zu dem geografischen Gebiet oder Ursprung, die für den Zusammenhang von Bedeutung sind
    Wachauer Marillenlikör wurde mit Beitritt Österreichs186 zur EU am 29.08.1994 als geographische Angabe nach Art. 5 Absatz 3 der Verordnung (EWG) Nr. 1576/89 in Anhang II der genannten Verordnung aufgenommen. Der Aufnahme voran geht eine langjährige Tradition in der Herstellung von Marillenlikör in der Region „Wachau-Mautern-Krems“.
    Der strikte Zusammenhang zwischen dem geografischen Gebiet, der Region „Wachau-Mautern-Krems“, und dem Erzeugnis als solchem leitet sich aus der ausschließlichen Verwendung von zwingend in diesem Gebiet gereiften und geernteten „Wachauer Marillen“ ab. Speziell diesem unverzichtbaren, wert- und qualitätsbestimmenden Rohstoff, gepaart mit einer traditionsreichen Herstellung auf höchstem Niveau, verdankt das Erzeugnis seine spezifisch von der Frucht geprägte Aromacharakteristik
  • Bestimmte Eigenschaften der Spirituose, die dem geografischen Gebiet zuzuschreiben sind
    Geprägt von den regionalen Einflüssen, als Ergebnis des Zusammentreffens von pannonischem und waldviertler Klima, der unmittelbare Nähe der Donau, den speziell zur Reifezeit der Marillen großen Unterschieden zwischen Tag- und Nachttemperaturen sowie des Einflusses des Bodens und der über 100 Jahre alten Anbautradition, bestimmt die „Wachauer Marille g.U.“ mit ihrer unverwechselbaren Qualität die ausgeprägt regionaltypischen Geruchs- und Geschmacksnoten dieses herausragenden Fruchtlikörs (siehe „Organoleptische Eigenschaften“).

 


186 Beitrittsakte (94/C 241 /08), ABl. Nr. C 241 vom 29.8.1994, Seite 21

Österreich

Wachauer Marillenlikör auf ausschließlicher Basis von „Wachauer Marillenbrand“ weist in der Etikettierung in unmittelbarer Nähe zur geografischen Angabe wahlweise einen der folgenden Hinweise auf „mit 100 % Wachauer Marillenbrand“ oder „100 % Destillatlikör“.

Ein solcher Hinweis erfolgt deutlich und gut lesbar in einheitlichen Schriftzeichen derselben Art und Farbe in einer Schriftgröße bis 75 Prozent der Schrift für die Bezeichnung „Wachauer Marillenlikör“.

Zusätzlich kann ein solches Erzeugnis als „Premiumlikör“ ausgelobt werden.

Mariazeller Magenlikör

Likör, Kategorie 32 des Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 110/2008

Unter der Bezeichnung „Mariazeller Magenlikör“ wird ein Kräuterlikör halbsüß sowie ein Kräuterlikör in klassisch bitterer Geschmacksausprägung (classic) erzeugt.

  • Physikalische, chemische Eigenschaften
    Alkoholgehalt mindestens 40 % vol
    Zuckergehalt
    (ausgedrückt als Invertzucker)
    „halbsüß“           mindestens 115 g/l
    „bitter“               mindestens 100 g/l
  • Organoleptische Eigenschaften
    Mariazeller Magenlikör halbsüß ist von typisch grüner, von Mazerat und Färbung herrührender Farbe. Der Geruch ist arteigen kräuterig, der Geschmack leicht alkoholisch, ausbalanciert - vielschichtig herbal.

    Der klassische Mariazeller Magenlikör weist eine produkttypische rot-braune Färbung, die von Mazerat und auch von zugegebenem Karamellsirup herrührt, auf. Sein Geruch ist herbwürzig, der Geschmack harmonisch ausgewogen herb, mit bitteren Noten ähnlich einer 80 %-igen Bitterschokolade.
  • Besondere Merkmale (im Vergleich zu anderen Spirituosen derselben Kategorie):
    Im Gegensatz zu anderen Kräuterlikören, bei denen meist ein oder zwei Bestandteile dominieren, z. B. in Form einer vorherrschenden Anisnote in Verbindung mit einem starken Wurzelton, zeichnet sich Mariazeller Magenlikör durch die besonders ausgewogene Zusammenstellung einer Vielzahl an verschiedenen Kräutern und weiteren pflanzlichen Bestandteile aus.

    Als Ergebnis hinterlässt Mariazeller Magenlikör einen wohltuenden, äußerst harmonischen Gesamteindruck. Kein Bestandteil tritt merklich in den Vordergrund oder sticht gar heraus. Geradezu typisch ist, dass eine sensorische Identifizierung einzelner Bestandteile nahezu unmöglich ist.

    Dies trifft grundsätzlich auch auf Mariazeller Magenlikör „halbsüß“ zu, auch wenn hier mitunter entfernt Anklänge an Minze vermutet, in der Folge dann aber nicht immer auch bestätigt werden können.

    Die Abfüllung erfolgt ausschließlich in den für Mariazeller Magenlikör charakteristischen Flaschengrößen 1 000, 500, 200 und 50 ml.

Das geografische Gebiet umfasst die Stadt Mariazell, die mit der Gemeindezusammenlegung Ende 2014 eine Fläche von 414 km2 aufweist.

Nach der von Generation zu Generation weitergegebenen Rezeptur werden 33 spezielle pflanzliche Grundstoffe (Kräuter, Früchte, Blüten, Samen und Wurzeln, u.a. Arnika, Fenchel, Galgant, Ysop oder auch Zittwerwurzel) durch Mazeration in Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs mit 4 % Zwetschkenbrand zu hochkonzentrierten Pflanzenauszügen verarbeitet.

Aus für die Varianten „halbsüß“ und „classic“ jeweils charakteristischen Auszügen, wird unter Beigabe von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, Kristallzucker und Trinkwasser das Fertigerzeugnis in Trinkstärke hergestellt.

Entsprechend einer langjährigen Tradition, die immer schon von Fragen der Qualität und der Verfügbarkeit der Rohstoffe bestimmt war, stammen die pflanzlichen Grundstoffe für Mariazeller Magenlikör seit urdenklichen Zeiten aus aller Herren Länder.

Eine Färbung im Sinne der Richtlinie 94/36/EG187 ist in Übereinstimmung mit Art. 5 Abs. 2 lit. d der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 üblich.

 


187 Richtlinie 94/36/EG über Farbstoffe, die in Lebensmitteln verwendet werden dürfen - aufgehoben durch die Verordnung (EG) Nr. 1333/2008

  • Angaben zu dem geografischen Gebiet oder Ursprung, die für den Zusammenhang von Bedeutung sind
    Mariazell ist ein seit Jahrhunderten gut besuchter Wallfahrtsort für Pilger aus dem Raum der ehemaligen k.u.k. Monarchie und darüber hinaus. Der seit 1883 von Cajetan Arzberger und seinen Nachfolgern am Hauptplatz von Mariazell produzierte Mariazeller Magenlikör gehört zu Mariazell, wie die Wallfahrtsbasilika oder der ebenfalls traditionelle Lebkuchen.
    Generationen von Pilgern und Gästen des bedeutendsten Wallfahrtsortes Österreichs kennen und schätzen das Produkt unter seinem traditionellen Namen. Laut offiziellen Angaben auf der Webseite188 der Basilika ist pro Jahr mit über einer Million an Pilgern und Besuchern in Mariazell zu rechnen. Mariazeller Magenlikör ist seit jeher ein gerne mitgebrachtes Souvenir, dem schon immer ein außergewöhnlicher Ruf und große Bekanntheit, nicht zuletzt aufgrund der lange zurückreichenden Marktpräsenz zukam. Dafür spricht etwa auch, dass bereits die ersten Besucher aus den ehemaligen Staaten des Ostblocks nach der Wende begeistert Mariazeller Magenlikör kauften, obwohl es in diesen, bis dahin von jeder Bezugsmöglichkeit abgeschnittenen Ländern keinerlei Werbung für das Produkt gab.
    Mariazeller Magenlikör ist bei großen touristischen Veranstaltungen in Wien, Graz, Linz etc. ein typischer „Botschafter“ der Region - und nicht zuletzt infolge der Internationalität des Pilgerwesens - auch über die Grenzen Österreichs hinaus bestens bekannt.
    Vom hohen Ansehen des Produkts zeugen immer wieder Berichte in Beilagen auflagenstarker großer Österreichischer Tageszeitungen (Adventkurier, Adventkrone) oder auch Beiträge über Mariazeller Magenlikör in der lokalen Presse (Kleine Zeitung, Die Steirerin, Steirer Monat). Selbst im Wirtschaftsblatt (Online) wird, wie Wikipedia zu entnehmen ist, über Mariazeller Magenlikör berichtet. Nicht zuletzt findet die Bedeutung von Mariazeller Magenlikör im Jahr 2013 ihre Würdigung in der Verleihung des Steirischen Landeswappens an den Hersteller durch den Landeshauptmann.
  • Bestimmte Eigenschaften der Spirituose, die dem geografischen Gebiet zuzuschreiben sind
    Als ein Traditionsprodukt erster Güte wird Mariazeller Magenlikör ausnahmslos im genannten geografischen Gebiet in Handarbeit erzeugt.

Mitgliedstaat: Österreich

Zusätzlich zur Angabe „Mariazeller Magenlikör“ wird das Produkt entsprechend seiner jeweiligen spezifischen Geschmacksausprägung durch die Angabe „CLASSIC“, „classic“ oder „Classic“ bzw. „halbsüß“ oder „Halbsüß“ näher charakterisiert.

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